Postbank-Warnstreiks weiten sich aus: Verdi erhöht Druck auf Deutsche Bank
Verdi ruft zu mehrtägigen Streiks in Filialen und Callcentern auf – und nutzt die Deutsche-Bank-Hauptversammlung für eine Demonstration.

Kunden der Postbank müssen sich in den kommenden Tagen erneut auf spürbare Einschränkungen einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hat die Warnstreiks ausgeweitet, nachdem die Tarifverhandlungen für die rund 9.000 Beschäftigten der Postbank – die zum Deutsche-Bank-Konzern gehört – ins Stocken geraten sind. Ein Durchbruch ist bislang nicht in Sicht.
Den Auftakt macht das Backoffice am Mittwoch, den 27. Mai. Dort werden zentrale Bankgeschäfte wie der Zahlungsverkehr abgewickelt – Ausfälle können also direkt auf Kunden durchschlagen. Von Donnerstag bis Samstag (28. bis 30. Mai) weitet Verdi die Arbeitsniederlegungen dann bundesweit auf Postbank-Filialen und Callcenter aus.
Demonstration zur Hauptversammlung der Deutschen Bank
Parallel dazu will die Gewerkschaft den Druck auf die Konzernmutter erhöhen: Zur Hauptversammlung der Deutschen Bank am Donnerstag in Frankfurt hat Verdi zu einer Demonstration auf dem Frankfurter Messegelände aufgerufen. Die Botschaft ist klar – die Beschäftigten wollen sichtbar machen, dass sie an den Gewinnen des Konzerns beteiligt werden wollen.
Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck bringt die Stimmung unter den Beschäftigten auf den Punkt: „Die Beschäftigten haben kein Verständnis dafür, dass von den Rekordgewinnen der Deutschen Bank nur die Aktionäre profitieren sollen, während die Bank in der Tarifrunde einen Reallohnverlust durchdrücken will."
Was Verdi konkret fordert
Die Forderungen der Gewerkschaft sind klar umrissen:
8 Prozent mehr Lohn
, mindestens jedoch 300 Euro pro Monat für die rund 9.000 Postbank-Beschäftigten
200 Euro mehr
monatlich für Auszubildende
Beschäftigungs- und Standortsicherung
als verbindliche Zusage
Rechtsanspruch auf Weiterbildung
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur Aktienanalyse, etwa im Bereich Künstliche Intelligenz
Besonders der letzte Punkt zeigt, dass es in diesem Tarifkonflikt nicht nur ums Geld geht. Die Beschäftigten wollen auch Planungssicherheit in einer Branche, die sich durch Digitalisierung und KI rasant verändert.
Dritte Verhandlungsrunde Mitte Juni
Für den 15. Juni ist die dritte Verhandlungsrunde zwischen Verdi und den Arbeitgebern in Frankfurt angesetzt. Bis dahin dürfte der Druck auf beiden Seiten weiter steigen. Für Anleger der Deutschen Bank ist der Konflikt ein Signal: Steigende Personalkosten und anhaltende Streiks könnten das operative Geschäft belasten – gerade in einem Umfeld, in dem die Bank zuletzt mit Rekordgewinnen glänzte. Wie das Management auf die Gewerkschaftsforderungen reagiert, bleibt abzuwarten.


