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Preiskampf im Einzelhandel: Discounter verlieren ihren Kostenvorteil

Analyse von 2.000 Produkten zeigt: ALDI, Lidl, Rewe und Edeka liegen preislich gleichauf

Preiskampf im Einzelhandel: Discounter verlieren ihren Kostenvorteil

Der deutsche Lebensmittelhandel befindet sich im Umbruch. Eine aktuelle Untersuchung der Vergleichsapp Smhaggle zeigt: Die klassischen Preisunterschiede zwischen Discountern und Supermärkten existieren kaum noch. Bei rund 2.000 Produkten des Kernsortiments liegen die Preise nahezu identisch – unabhängig vom Händler.

"Ob Milch, Joghurt, Nudeln oder Butter: Die Preise sind bis auf wenige Ausnahmen cent-genau gleich", erklärt Smhaggle-Geschäftsführer Sven Reuter. Dies gelte sowohl für Eigenmarken als auch Markenprodukte. Die Analyse basiert auf täglich mehr als 10.000 hochgeladenen Kassenbons und berücksichtigt keine Sonderangebote.

Der intensive Wettbewerb zwischen ALDI und Lidl hat eine Kettenreaktion ausgelöst. Senkt ein Discounter die Preise, reagieren Rewe, Edeka und Kaufland mittlerweile binnen Stunden oder maximal ein bis zwei Tagen. Rewe wirbt inzwischen offensiv damit, mehrere Tausend Produkte dauerhaft auf Discounter-Niveau anzubieten und gleicht die Preise regelmäßig mit ALDI und Lidl ab.

Verbraucher setzen auf Preisvergleich

Das veränderte Kaufverhalten treibt diese Entwicklung voran. Laut einer Umfrage des IFH Köln vergleichen über 70 Prozent der Verbraucher beim Lebensmitteleinkauf intensiver die Preise und greifen häufiger zu Sonderangeboten. Die hohe Inflation der vergangenen Jahre hat das Preisbewusstsein deutlich geschärft.

Die Marktanteile spiegeln diesen Trend wider: Discounter kommen im Handel mit Produkten des täglichen Bedarfs auf gut 38 Prozent, während Supermärkte wie Rewe und Edeka bei rund 28,5 Prozent liegen. Experten führen die seit Jahren anhaltende Verschiebung zugunsten der Discounter vor allem auf das gestiegene Preisbewusstsein zurück.

Strategiewechsel im Einzelhandel

Handelsexperte Michael Gerling vom EHI sieht die Unterschiede zwischen beiden Vertriebsformen schwinden. Discounter investieren verstärkt in Ambiente und Markenprodukte. "Die Qualität der Ware ist auch hoch", betont Gerling. Supermärkte müssten sich stärker anstrengen und zusätzlichen Erlebniswert bieten – etwa durch Gastronomie, Bedientheken oder regionale Sortimente.

Ein wesentlicher Unterschied bleibt jedoch bestehen: Discounter führen deutlich weniger Artikel. Carsten Kortum, Handelsprofessor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn, sieht darin keinen zwingenden Nachteil. "Auswahl ist grundsätzlich gut, zu viel kann aber auch überfordern", erklärt er. Eine übersichtlichere Auswahl erleichtere vielen Kunden die Kaufentscheidung.

Wer wirklich sparen möchte, sollte laut Smhaggle-Chef Reuter vor allem auf Aktionsprodukte achten – unabhängig davon, ob diese bei Discountern oder in Supermärkten angeboten werden. Die Preisführerschaft einzelner Händler sei Geschichte.

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