ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Private-Credit-Fonds: Wenn Transparenz mehr Fragen aufwirft

Anleger verstehen Private-Credit-Fonds kaum – selbst wenn sie wissen, was drin steckt. Blue Owl Capital handelt nur zu 78% seines NAV.

Private-Credit-Fonds: Wenn Transparenz mehr Fragen aufwirft

Private-Credit-Fonds gelten als attraktive Anlageklasse – doch der Markt zweifelt zunehmend daran, wie viel diese Fonds wirklich wert sind. Anleger, die nach Antworten suchen, stoßen auf ein grundlegendes Problem: Selbst wer weiß, welche Vermögenswerte in einem solchen Fonds stecken, versteht oft nicht wirklich, was er da besitzt. Die Folge sind erhebliche Abschläge auf die offiziell ausgewiesenen Nettoinventarwerte (Net Asset Values, NAV).

Ein NAV gibt an, wie viel das Vermögen eines Fonds je Anteil wert ist. Wird ein Fonds unter seinem NAV gehandelt, bedeutet das: Ein Dollar an ausgewiesenen Vermögenswerten ist an der Börse weniger als einen Dollar wert. Genau das ist bei zahlreichen börsennotierten Private-Credit-Fonds derzeit der Fall – und es wirft grundlegende Fragen zur Bewertungspraxis dieser Anlageklasse auf.

Blue Owl Capital Corp. als Paradebeispiel

Besonders deutlich zeigt sich dieses Phänomen beim börsennotierten Private-Credit-Fonds Blue Owl Capital Corp., der unter dem Kürzel OBDC gehandelt wird. Der Fonds notiert aktuell bei lediglich 78% seines ausgewiesenen NAV – ein erheblicher Abschlag, der das Misstrauen der Anleger gegenüber der internen Bewertung widerspiegelt.

Bei der Veröffentlichung der Ergebnisse für das erste Quartal reduzierte OBDC sein Nettovermögen um 3% auf rund 7,2 Milliarden US-Dollar. Diese Abwertung sollte offenbar Vertrauen schaffen und zeigen, dass das Management die Bewertungen realistisch anpasst. Doch der Markt reagierte anders als erhofft: Seit der Bekanntgabe der Quartalszahlen hat sich der Abschlag zum NAV sogar noch leicht vergrößert.

Das Signal ist eindeutig: Für die Anleger war die Abwertung um 3% nicht ausreichend. Der Markt traut den ausgewiesenen Zahlen schlicht nicht – und preist einen weiteren Wertverlust ein, der in den offiziellen Büchern noch nicht abgebildet ist.

Undurchsichtige Bewertungsoffenlegungen als Kernproblem

Der Grund für dieses Misstrauen liegt in der Natur der Bewertungsoffenlegungen selbst. Laut Beobachtern sind die Angaben zur Bewertung zwar umfangreich – aber gleichzeitig undurchsichtig und schwer verständlich. Viele Seiten an Dokumentation führen nicht zwangsläufig zu mehr Klarheit, sondern können das Gegenteil bewirken.

Private-Credit-Fonds investieren typischerweise in nicht börsennotierte Unternehmenskredite, die nicht täglich am Markt gehandelt werden. Das macht eine objektive Bewertung schwierig. Anders als bei Aktien oder Anleihen gibt es keinen transparenten Marktpreis – die Bewertung basiert auf internen Modellen und Annahmen, die von außen kaum nachvollziehbar sind.

Für deutsche Privatanleger ist dieses Thema besonders relevant, da Private-Credit-Fonds in den vergangenen Jahren auch hierzulande als vermeintlich sichere Renditequelle vermarktet wurden. Der Fall OBDC zeigt: Hohe Ausschüttungen und stabile NAV-Angaben sagen wenig darüber aus, was der Markt tatsächlich bereit ist zu zahlen. Wer in solche Produkte investiert, sollte die Bewertungsmethodik genau hinterfragen – auch wenn die Antworten unbefriedigend bleiben.

Private Credit FondsBlue Owl Capital ObdcNettoinventarwert NavNav-AbschlagPrivate Credit BewertungBörsennotierte KreditfondsAlternative Investments

Disclaimer