Private-Credit-Krise: Wie Anleihen-ETFs unter Druck geraten
Wachsende Sorgen um den Private-Credit-Markt belasten ETFs – mit teils drastischen Kursverlusten für Anleger.

Die Ängste vor einer Krise am Markt für Privatkredite nehmen zu. Unternehmen im Zentrum dieses expandierenden, aber wenig liquiden und transparenten Segments sehen sich mit Rückforderungen von Anlegern konfrontiert. Dieser Belastungstest trifft den Markt genau zu dem Zeitpunkt, an dem Private Credit auch im ETF-Bereich an Bedeutung gewonnen hat.
Vor etwas mehr als einem Jahr genehmigte die US-Börsenaufsicht SEC den ersten offiziell als Private-Credit-Fonds deklarierten ETF. Seitdem wächst das Angebot – doch mit ihm auch die Risiken für Privatanleger, die über börsengehandelte Fonds Zugang zu dieser Anlageklasse suchen.
Wie ETFs Private Credit abbilden
Für ETF-Anleger gibt es laut Todd Rosenbluth, Leiter der Forschungsabteilung beim Datenanbieter VettaFi, eine wichtige Unterscheidung: ETFs, die direkt in Private-Credit-Emissionen investieren, sind in ihrem Engagement auf maximal 35% begrenzt. Andere, ältere ETF-Produkte bieten hingegen nur ein indirektes Engagement – etwa über Business Development Companies (BDCs) und geschlossene Fonds, die primär im Private-Credit-Sektor investieren. Dies erhöhe zwar die Liquidität im Vergleich zum direkten Halten von Privatkrediten, sei im aktuellen Umfeld aber nicht frei von Anlegersorgen, so Rosenbluth in der CNBC-Sendung „ETF Edge".
Der VanEck BDC Income ETF (BIZD), der über ein Vermögen von rund 1,5 Milliarden US-Dollar verfügt und bereits seit 2013 existiert, ist seit Jahresbeginn um 13% gefallen. Zu seinen Top-Positionen zählen börsennotierte Aktien prominenter Private-Credit-Manager wie Blue Owl Capital und Ares Capital. Allein die Aktie von Blue Owl ist in diesem Jahr um über 46% eingebrochen. Auch der Simplify VettaFi Private Credit Strategy ETF (PCR) verzeichnete im vergangenen Jahr einen Rückgang von rund 20% – er investiert ebenfalls schwerpunktmäßig in BDCs und geschlossene Fonds.
Liquidität bleibt das zentrale Problem
Privatkredite sind strukturell nicht für den täglichen Handel ausgelegt – genau das ist aber das Kernversprechen von ETFs. Diese Friktion führt zu konkreten Problemen: BIZD schloss im Kalenderjahr 2025 insgesamt 37 Mal mit einem Abschlag auf seinen Nettoinventarwert (NAV) und in diesem Jahr bislang 12 Mal. Private-Credit-Fonds schränken in Stressphasen häufig Rücknahmen ein, um Notverkäufe zu verhindern.
„Man führt Beschränkungen ein, weil man einen ‚Bank Run' verhindern will", erklärte Rosenbluth. Solche Rücknahmebeschränkungen – im Fachjargon „Gating" genannt – stabilisieren zwar den Fonds, tragen aber nicht zwangsläufig zur Beruhigung der Marktängste bei. Im ETF-Bereich hingegen haben Anleger stets die Option zum täglichen Verkauf – wenngleich dies mit Kosten verbunden sein kann.
Die neuen SEC-genehmigten Private-Credit-ETFs
Eine neue Generation von Produkten versucht, diesen Spagat strukturierter zu lösen. Der State Street IG Public & Private Credit ETF (PRIV) war der erste seiner Art und wurde im Februar 2025 von der SEC genehmigt. Der State Street Short Duration IG Public & Private Credit ETF (PRSD) folgte später im Jahr 2025. Beide Fonds wurden gemeinsam mit dem Alternativen-Manager Apollo Global entwickelt und sollen Standard-Anleihe-Benchmarks übertreffen, indem sie Investment-Grade-Privatkredite einbeziehen.
Beide Fonds können jeweils bis zu 35% in Private-Credit-Titeln halten, zeitweise aber auch weniger als 10%. Laut der Website von State Street ist derzeit nur eine der Top-10-Positionen von PRIV ein Privatkredit – Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere dominieren das Portfolio. PRIV verwaltet ein Vermögen von 831 Millionen US-Dollar; PRSD ist mit 48 Millionen US-Dollar deutlich kleiner. Beide verzeichneten seit Jahresbeginn eine relativ stagnierende Wertentwicklung. Etwas mehr als 20% des Vermögens beider Fonds entfällt auf von Apollo vermittelte Investments.
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Zur AktienanalyseETFs verändern das Ökosystem der Rentenmärkte
Jeffrey Rosenberg, Senior Portfolio Manager für systematische festverzinsliche Wertpapiere bei BlackRock, sieht in der Private-Credit-Problematik ein Beispiel dafür, wie tiefgreifend ETFs die Rentenmärkte verändert haben. „Sie haben die Art und Weise, wie Liquiditätsbereitstellung, Preisfindung – wie das Ökosystem des Market-Making in einem modernen Kreditmarkt funktioniert – komplett verändert", sagte er bei „ETF Edge".
Das größte systemische Risiko im Private-Credit-Bereich sieht Rosenberg im sogenannten Asset-Liability Mismatch – der Fristeninkongruenz zwischen Aktiva und Passiva. „Der Bank Run", so Rosenberg von BlackRock. Dieses Risiko sei heute jedoch weniger ausgeprägt, da viele Private-Credit-Vehikel die Liquidität konstruktionsbedingt einschränken. Dies eliminiere das Risiko zwar nicht, führe aber dazu, dass es sich allmählicher entfalte.
Angesichts der jüngsten Marktvolatilität beobachtet Rosenbluth von VettaFi eine klare Bewegung im Anlegerverhalten: ETF-Investoren würden „Risiken reduzieren" und von Anleihefonds mit längerer Laufzeit in Fonds mit kürzerer Laufzeit umschichten – ein klassisches Zeichen für wachsende Risikoaversion in unsicheren Marktphasen.

