Privatjet-Boom: Krisen und Preisschocks beflügeln Luxus-Luftfahrt
Während Linienflüge gestrichen werden und Kerosinpreise explodieren, erlebt die Privatjet-Branche einen historischen Nachfrageboom.

Cannes, Monaco, Augusta – wohlhabende Reisende, Prominente, Manager und Sportstars setzen bei Reisen zu Topevents zunehmend auf Privatjets. Der Grund: Unsicherheit. Seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar haben sich die Kerosinkosten in etwa verdoppelt, was Fluggesellschaften weltweit zur Streichung von Flügen und zur Erhöhung von Ticketpreisen zwang. Für die Kundschaft der Charteranbieter ist das jedoch kein Hindernis – im Gegenteil.
„Viele, die es sich leisten konnten, aber Linie geflogen sind, zahlen jetzt gerne mehr für die sicherere Option", erklärt Kolin Jones, Gründer und Chef des Anbieters Amalfi Jets. Bei seinem Unternehmen stiegen die Buchungsanfragen für die Filmfestspiele in Cannes in diesem Jahr um rund ein Viertel, jene für das Formel-1-Rennen in Monaco sogar um fast ein Drittel.
Höhere Kosten spielen für die Zielgruppe offenbar kaum eine Rolle. Pro Flugstunde zahlen betuchte Kunden bereits mehr als 10.000 Euro. „Wenn man in einem Privatjet fliegt, stört man sich nicht an einer Erhöhung um 1.000 oder 2.000 Euro", sagt Deniz Weissenborn, Inhaber des Charterunternehmens Platoon Aviation. Sein Fazit: „Die Welt ist in Aufruhr, aber nicht unsere Passagiere."
Krisen als Wachstumstreiber
Acht Führungskräfte aus der Privatjet-Branche bestätigen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ein klares Muster: Globale Krisen kurbeln das Geschäft an. „Jedes Mal, wenn es weltweite Krisen gibt, erlebt die private Luftfahrt einen Aufschwung", sagt Jason Middleton, Inhaber von Silver Air Private Jets. „Die Menschen fühlen sich sicher, wenn sie die Kontrolle haben."
Zwar ist der private Flugverkehr in den Nahen Osten aufgrund von Sicherheitsbedenken im Luftraum zurückgegangen. Die Nachfrage nach Reisen nach Europa und in die USA soll in diesem Jahr jedoch voraussichtlich Rekordwerte erreichen. Daten des Luftfahrt-Analysehauses WINGX belegen: Die Zahl der Privatflüge stieg im bisherigen Jahresverlauf weltweit um rund vier Prozent. Im gleichen Zeitraum sank die globale Angebotskapazität im kommerziellen Luftverkehr laut dem Analyseunternehmen Cirium um drei bis vier Prozent.
Die Zahlen rund um Großevents unterstreichen den Trend eindrucksvoll. Beim Super Bowl im Februar war das Privatjet-Aufkommen an nahe gelegenen Flughäfen dreimal so hoch wie an normalen Tagen. Beim US-Masters-Golfturnier in Augusta landeten mit mehr als 400 Privatjets sogar zehnmal so viele Maschinen wie im Vorjahr. „Es ist so viel zu tun wie eh und je", bestätigt Privatjet-Pilot Andy Spencer.
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Zur AktienanalyseWährend die Branche boomt, wächst auch die Kritik von Umweltschützern. Laut einer Berechnung der Organisation Transport & Environment (T&E) aus dem Jahr 2021 sind die CO2-Emissionen pro Passagier bei Privatflügen fünf bis 14 Mal höher als bei Linienflügen. T&E fordert unter anderem hohe Kerosinsteuern für das bislang kaum regulierte Nischengeschäft.
Für Privatanleger ist der Trend dennoch ein relevantes Signal: Das Luxussegment der Reisebranche zeigt sich in Krisenzeiten bemerkenswert resilient. Während klassische Fluggesellschaften unter steigenden Betriebskosten leiden, profitieren spezialisierte Charteranbieter von einer zahlungskräftigen Kundschaft, die Sicherheit und Komfort über den Preis stellt.


