Purdue Pharma löst sich auf und wird gemeinnützige Knoa Pharma
Nach jahrelangem Insolvenzverfahren stellt Purdue Pharma den Betrieb ein und geht als gemeinnützige Organisation zur Opioidbekämpfung hervor.

Purdue Pharma, der berüchtigte Hersteller des Schmerzmittels OxyContin, hat seinen Betrieb offiziell eingestellt. Das Unternehmen gab am Freitag bekannt, dass das Insolvenzverfahren abgeschlossen ist und es nun als gemeinnützige Organisation unter dem Namen Knoa Pharma weitergeführt wird. Die neue Einheit soll sich ausschließlich auf die Behandlung von Opioidsucht konzentrieren.
Purdue hatte bereits 2019 Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-amerikanischen Insolvenzrechts beantragt. Der nun vollzogene Übergang in die gemeinnützige Nachfolgeorganisation war seit Langem als Teil eines Insolvenzvergleichs in Höhe von 7,4 Milliarden US-Dollar geplant. Dieser Vergleich sieht vor, sämtliche Ressourcen des Unternehmens für die Bewältigung der Schäden der Opioidkrise einzusetzen.
Den letzten Anstoß für das Inkrafttreten des Insolvenzplans gab die strafrechtliche Verurteilung von Purdue, die Anfang dieser Woche abgeschlossen wurde. Sie räumte die letzte formale Hürde aus dem Weg. Viele Opfer der Opioidkrise berichteten bei der Urteilsverkündung am Dienstag von Sucht, Verlust und Trauer.
Zwei Schuldbekenntnisse und Tausende Klagen
Purdue war in Tausenden von Klagen wegen seiner Rolle bei der Befeuerung der Opioid-Epidemie in den USA verklagt worden. Das Unternehmen hat sich gleich zweimal in Bezug auf Bundesanklagen schuldig bekannt. Im Jahr 2007 gestand Purdue, Ärzte und Aufsichtsbehörden über das Suchtpotenzial von OxyContin getäuscht zu haben. 2020 folgte ein weiteres Schuldbekenntnis: Purdue räumte ein, Bundesbehörden über seine angeblichen Bemühungen zur Bekämpfung des illegalen Gebrauchs von OxyContin getäuscht und Bestechungsgelder an Ärzte gezahlt zu haben, um den Absatz des Medikaments zu steigern.
Die Opioidkrise gilt als eine der schwersten Gesundheitskatastrophen in der Geschichte der USA. OxyContin, ein stark wirksames verschreibungspflichtiges Opioid-Schmerzmittel, wurde von Purdue aggressiv vermarktet – auch an Patienten, bei denen das Suchtrisiko als gering dargestellt wurde. Die Folgen waren verheerend: Hunderttausende Menschen wurden abhängig, viele starben an Überdosierungen.
Frustration über Auszahlungen und abgelehnte Ansprüche
Trotz des milliardenschweren Vergleichs ist die Frustration unter den Betroffenen groß. Eine Auswertung von Gerichtsunterlagen durch Reuters sowie Interviews mit Opioid-Opfern offenbarten erhebliche Hürden bei den Auszahlungen. Etwa 40 Prozent der individuellen Ansprüche wurden bereits abgelehnt.
Der Großteil der Vergleichsgelder wird an US-Bundesstaaten und Kommunalverwaltungen fließen, die die Kosten der Opioidsucht in ihren Gemeinden tragen mussten. Für Einzelkläger, die selbst opioidabhängig wurden oder Angehörige verloren haben, sind 865 Millionen US-Dollar vorgesehen.
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Zur AktienanalyseKnoa Pharma wird von einem neu zusammengestellten Vorstand geleitet. Zu den Treuhändern gehören Rahul Gupta, der unter US-Präsident Joe Biden das Büro für nationale Drogenkontrollpolitik im Weißen Haus leitete, Paul Rothman, ehemaliger CEO der Johns Hopkins University School of Medicine, sowie David Saltzman, Mitbegründer des Atria Health and Research Institute.
Die neue Organisation hat ein klares Ziel: Knoa Pharma wird Medikamente zur Umkehrung von Überdosierungen sowie zur Suchtbehandlung zu oder unter den Herstellungskosten verkaufen. „Durch den gemeinnützigen Zugang zu Medikamenten gegen Überdosierungen und Behandlungen für Opioidabhängigkeit setzt sich Knoa Pharma dafür ein, die Versorgung sicherzustellen und Leben in den am stärksten von der Opioidkrise betroffenen Gemeinden zu retten", erklärte Rothman.
Für deutsche Beobachter ist der Fall Purdue ein mahnendes Beispiel dafür, welche Folgen aggressive Pharmavermarktung haben kann. In den USA hat die Opioidkrise ganze Landstriche verwüstet und ist bis heute nicht überwunden. Ob Knoa Pharma tatsächlich einen wirksamen Beitrag zur Lösung leisten kann, wird die Zukunft zeigen.


