RadioShack-Rettung als Betrugsmaske: Investoren verlieren Millionen
Der Social-Media-Unternehmer Taino "Tai" Lopez versprach, traditionsreiche US-Einzelhändler wie RadioShack und Pier 1 zu retten. Stattdessen soll er über 230 Millionen Dollar von Kleinanlegern in einem mutmaßlichen Schneeballsystem veruntreut haben. Hunde

Der amerikanische Influencer Taino "Tai" Lopez inszenierte sich jahrelang als Erfolgsgeschichte des Kapitalismus: Villa in Beverly Hills, schwarzer Lamborghini, Millionen Follower in sozialen Medien. Mit Selbsthilfekursen und Versprechen auf schnellen Reichtum baute er sich eine treue Anhängerschaft auf. Doch hinter der glänzenden Fassade soll sich ein massiver Anlagebetrug verborgen haben.
Lopez warb aggressiv für Investitionen in sein Unternehmen Retail Ecommerce Ventures (REV), das bekannte, aber angeschlagene Einzelhandelsketten aufkaufte. Zu den übernommenen Marken gehörten RadioShack, Pier 1 Imports, Dressbarn, Modell's Sporting Goods und Linens 'N Things. Das Geschäftsmodell klang vielversprechend: Die traditionellen Läden sollten in profitable E-Commerce-Unternehmen transformiert werden.
Renditeversprechen lockten Kleinanleger
Mit Renditeversprechen von 20 Prozentköderte Lopez über soziale Medien wie Facebook und Instagram Hunderte Investoren. Sean Murphy, ein Großvater aus Illinois, investierte 175.000 Dollar in REV und verbundene Unternehmungen. Die bekannten Markennamen und Lopez' Erfolgsimage wirkten überzeugend.
Murphy erhielt zunächst eine Pier-1-Geschenkkarte im Wert von 10.000 Dollar sowie etwa zwei Jahre lang monatliche Zahlungen von rund 1.000 Dollar. Was er nicht ahnte: Seine Auszahlungen wurden mutmaßlich nicht aus Unternehmensgewinnen, sondern aus den Einlagen neuer Investoren finanziert – ein klassisches Merkmal eines Schneeballsystems.
Über 230 Millionen Dollar eingesammelt
Insgesamt sammelte Lopez mehr als 230 Millionen Dollar von zumeist kleineren Anlegern ein. Die Investoren vertrauten auf die Bekanntheit der übernommenen Marken und die Selbstdarstellung des Unternehmers als erfolgreicher Geschäftsmann. Statt der versprochenen E-Commerce-Revolution blieb jedoch die Transformation der Einzelhändler aus.
"Diese Leute haben gelogen", erklärt Murphy heute verbittert. "Sie haben sich verschworen. Sie haben die Menschen in die Irre geführt." Der Fall zeigt exemplarisch, wie Influencer-Marketing und bekannte Markennamen zur Verschleierung fragwürdiger Investmentmodelle genutzt werden können.
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Zur AktienanalyseWarnung für deutsche Anleger
Der Fall Lopez ist eine deutliche Warnung auch für deutsche Investoren: Hohe Renditeversprechen, aggressive Social-Media-Werbung und der Fokus auf Lifestyle statt Geschäftszahlen sind typische Warnsignale. Seriöse Investments bieten keine garantierten Renditen von 20 Prozent, und erfolgreiche Unternehmer müssen ihre Erfolge nicht ständig in sozialen Medien zur Schau stellen.
Die Ermittlungen gegen Lopez und seine Unternehmungen laufen. Für viele Kleinanleger dürfte es jedoch zu spät sein, ihr investiertes Kapital zurückzubekommen. Der Fall unterstreicht die Bedeutung gründlicher Due-Diligence-Prüfungen vor jeder Investitionsentscheidung – unabhängig davon, wie verlockend das Angebot erscheint.


