Rajesh Exports: Indiens Goldriese im Zentrum massiver Bilanzermittlungen
Indische Behörden decken bei einem der größten Goldexporteure des Landes schwerwiegende Unregelmäßigkeiten in Buchhaltung und Geschäftsbetrieb auf.

Indische Ermittlungsbehörden haben bei Rajesh Exports, einem der größten Goldunternehmen Indiens, gravierende Unregelmäßigkeiten aufgedeckt. Das Directorate of Enforcement veröffentlichte am Mittwoch einen Untersuchungsbericht, der ein erschreckendes Bild des in Bengaluru ansässigen Unternehmens zeichnet. Bereits zuvor hatten Marktaufsichtsbehörden Bedenken hinsichtlich der gemeldeten Umsätze des Konzerns geäußert.
Besonders aufsehenerregend ist der Befund zur Vergütung der Unternehmensführung: Der Geschäftsführer soll laut den Ermittlern lediglich 17.000 Rupien – umgerechnet rund 180 US-Dollar – pro Monat erhalten haben. Der Finanzvorstand habe seit dem Jahr 2020 überhaupt kein Gehalt mehr bezogen. Diese Angaben stehen in krassem Widerspruch zur offiziell gemeldeten Unternehmensgröße.
Milliardenumsatz und aufgeblähte Zahlen
Rajesh Exports meldete im vergangenen Jahr einen konsolidierten Umsatz von mehr als 7,7 Billionen Rupien – das entspricht rund 81 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen besitzt neben seinem indischen Kerngeschäft auch die bedeutende Schweizer Goldraffinerie Valcambi und exportiert Goldschmuck sowie Goldprodukte aus der Schweiz, Indien und Dubai.
Die indische Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Board of India (SEBI) stellte in einer separaten Untersuchung fest, dass zwischen 97 und 99 Prozent der ausgewiesenen Umsatzerlöse offenbar künstlich aufgebläht waren. Die Behörde bezeichnete die festgestellte Umsatzlücke als „ungeheuerlich und beispiellos" und forderte das Unternehmen zur Stellungnahme auf.
Durchsuchungen und Beschlagnahmungen in den Geschäftsräumen des Unternehmens in Bengaluru und Mumbai förderten weitere Ungereimtheiten zutage. Die Ermittler stellten fest, dass Rajesh Exports über unzureichende Aufzeichnungen über Auslandstransaktionen verfügte. Darüber hinaus wurden Buchungsdifferenzen in Höhe von insgesamt 30 Milliarden Rupien, mutmaßliche Kursmanipulationen sowie eine Untererfassung der physischen Goldbestände um rund 40 Prozent aufgedeckt.
Aktie bricht ein – Unternehmen weist Vorwürfe zurück
Die Reaktion des Kapitalmarkts ließ nicht lange auf sich warten. Die Aktien von Rajesh Exports fielen am Donnerstag um rund 5 Prozent, bevor sie das von der Börse festgelegte untere Handelslimit erreichten. Für Anleger ist dies ein deutliches Signal der Verunsicherung angesichts der schwerwiegenden Vorwürfe.
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Zur AktienanalyseDas Unternehmen selbst wies die Anschuldigungen entschieden zurück. In einer offiziellen Stellungnahme erklärte Rajesh Exports, man habe „sich nie einer fehlerhaften Berichterstattung schuldig gemacht, und alle Einreichungen sowie Finanzkennzahlen, einschließlich des Umsatzes, seien wahrheitsgemäß und authentisch." CNBC hat sowohl Rajesh Exports als auch die Schweizer Tochter Valcambi um eine Stellungnahme gebeten und wartet derzeit auf eine Antwort.
Der Fall Rajesh Exports verdeutlicht die wachsende Entschlossenheit indischer Regulierungsbehörden, Unregelmäßigkeiten an den Kapitalmärkten konsequent zu verfolgen. Für internationale Investoren und Geschäftspartner – darunter auch europäische Akteure, die mit der Schweizer Raffinerie Valcambi zusammenarbeiten – dürfte der Ausgang der Ermittlungen von erheblicher Bedeutung sein.


