RBC Capital: Höhere Börsenbewertungen signalisieren noch kein Markttop
RBC bleibt konstruktiv für US-Aktien: Bewertungen gestiegen, aber historische Höchststände noch nicht erreicht.

Die Bewertungen am US-Aktienmarkt sind zuletzt deutlich gestiegen – doch laut RBC Capital Markets haben sie noch keine Niveaus erreicht, die historisch gesehen eine Obergrenze signalisieren. Die Bank bleibt daher für das kommende Jahr weiterhin positiv für Aktien gestimmt. Lori Calvasina, Leiterin der US-Aktienstrategie bei RBC, erläuterte dies in einer aktuellen Mitteilung an Kunden.
Calvasina verwies darauf, dass der S&P 500 seit seinem Tiefstand vom 30. März mehr als 14% zugelegt hat. Trotz des Anstiegs sieht sie noch Spielraum nach oben. „Das Bottom-up-marktkapitalisierungsgewichtete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 auf Basis der erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate liegt etwas über 25x und damit immer noch deutlich unter seinem im Vorjahr erreichten Höchststand von mehr als 28x", schrieb die Strategin. Das KGV ist eine der wichtigsten Kennzahlen zur Bewertung von Aktien und setzt den Kurs eines Unternehmens ins Verhältnis zu seinen erwarteten Gewinnen.
Auch beim Russell 2000, dem Index für US-amerikanische Nebenwerte, sieht RBC noch Luft nach oben. Der Index notiert aktuell beim rund 16,6-Fachen der Gewinne für das zweite Geschäftsjahr – und damit deutlich unter dem früheren Jahreshöchststand von über 18. Dies deutet darauf hin, dass insbesondere kleinere US-Unternehmen bewertungsseitig noch nicht überhitzt sind.
RBC hält an Kursziel von 7.750 Punkten für den S&P 500 fest
RBC bekräftigte sein 12-Monats-Kursziel für den S&P 500 von 7.750 Punkten. Calvasina räumte jedoch ein, dass der Weg dorthin voraussichtlich nicht linear verlaufen werde. Als potenzielle Quellen für Volatilität nannte sie mehrere Faktoren:
- Abwärtskorrekturen der Gewinnprognosen je Aktie (EPS) für Unternehmen außerhalb des KI-Sektors
- Die bevorstehenden US-Zwischenwahlen
- Mögliche Gewinnmitnahmen bei Halbleiter- und KI-Aktien
Diese Risikofaktoren könnten kurzfristig für Schwankungen sorgen, ändern aber laut RBC nichts am grundsätzlich konstruktiven Ausblick für den Markt.
Unternehmen zeigen Widerstandsfähigkeit trotz Kostendruck
An der Gewinnfront beobachtet RBC, dass die Ergebnisse des ersten Quartals weiterhin Resilienz zeigen, wenngleich eine gewisse Vorsicht spürbar ist. Viele Unternehmen betonen dabei ihre Puffer wie Absicherungsgeschäfte, Bestandsmanagement und Preismacht, um kriegsbedingten Kostendruck abzufedern. Besonders deutlich spürbar sind die Herausforderungen für Verbraucher in der Gastronomie und der Reisebranche.
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Zur Aktienanalyse„Wir glauben, dass die Betonung der US-börsennotierten Unternehmen auf ihre Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, einer der Gründe ist, warum der US-Aktienmarkt seit Beginn des Krieges so widerstandsfähig geblieben ist", schrieb Calvasina. Diese Einschätzung unterstreicht, warum RBC trotz eines schwierigen makroökonomischen Umfelds an seiner positiven Markteinschätzung festhält.
Für deutsche Anleger mit Engagement in US-Aktien oder entsprechenden ETFs ist die Analyse relevant: RBC erwartet, dass mögliche weitere Rücksetzer im Bereich von 5% bis 10% bleiben werden. Tiefere Einbrüche würden laut der Bank historisch gesehen ernsthafte Rezessionsängste erfordern – die derzeit nicht im Mittelpunkt des Basisszenarios stehen.


