Red Lobster: Klage gegen Thai Union wegen Garnelen-Aktion und Insolvenz
Gläubiger werfen dem ehemaligen Mehrheitsaktionär Thai Union vor, Red Lobster durch unwirtschaftliche Verträge und die „Endless Shrimp"-Aktion in die Insolvenz getrieben zu haben.

Die Restaurantkette Red Lobster steht erneut im Mittelpunkt eines Rechtsstreits. Gläubiger der insolventen Kette haben den ehemaligen Mehrheitsaktionär Thai Union verklagt und werfen dem thailändischen Meeresfrüchteproduzenten vor, das Unternehmen durch eigennützige Entscheidungen systematisch ausgeplündert zu haben. Die Klage wurde im Mai in Orange County, Florida, eingereicht und fordert einen Geschworenprozess zur Feststellung des Schadensersatzes.
Im Zentrum der Vorwürfe steht das Angebot „Everyday $20 Ultimate Endless Shrimp", das in der Klageschrift als „Totalschaden" für das Unternehmen bezeichnet wird. Laut den Gläubigern wusste Thai Union bereits 2023, dass Red Lobster mit erheblichem finanziellem Gegenwind konfrontiert war und eine Insolvenz riskierte – handelte aber dennoch im eigenen Interesse.
Thai Union soll Verträge zu eigenen Gunsten erzwungen haben
Die Klage, die von einem Trust im Namen der Red-Lobster-Gläubiger eingereicht wurde, erhebt schwere Vorwürfe gegen Thai Union. Anstatt die Interessen der Restaurantkette zu wahren, habe Thai Union „eine Kampagne forciert, um jeden Tropfen Wert durch unwirtschaftliche Verträge herauszupressen, die Thai Union begünstigten und für Red Lobster wirtschaftlich keinen Sinn ergaben." Konkret soll Thai Union Red Lobster gedrängt haben, zunehmende Mengen an Garnelen zu Preisen über dem Marktniveau zu kaufen. Zudem soll Thai Union einem Wettbewerber untersagt haben, die Restaurantkette zu beliefern.
Besonders brisant: Thai Union und der damalige Interims-CEO Paul Kenny sollen die „Endless Shrimp"-Aktion gegen den ausdrücklichen Widerstand von Red-Lobster-Mitarbeitern, die nicht mit Thai Union verbunden waren, „konzipiert und umgesetzt" haben. Die Folgen waren laut Klageschrift gravierend: Restaurants im ganzen Land wurden „lahmgelegt", da ihnen die Garnelen ausgingen und sie nicht in der Lage waren, ihre Tische neu zu besetzen. Thai Union und Red Lobster reagierten auf eine Anfrage des US-Senders CNBC zunächst nicht.
Insolvenz im Mai 2024 und Übernahme durch neue Investoren
Red Lobster meldete im Mai 2024 Insolvenz an und beantragte Gläubigerschutz nach Chapter 11 – einem US-amerikanischen Insolvenzverfahren, das dem deutschen Insolvenzplanverfahren ähnelt und eine Sanierung unter Gläubigerschutz ermöglicht. Das Unternehmen kämpfte zu diesem Zeitpunkt mit verstärktem Wettbewerb, teuren Mietverträgen, einem allgemeinen Rückgang der Konsumausgaben und den Folgen der Garnelen-Aktion. Bereits im September 2023 war Red Lobster mit einem befristeten Darlehen in Höhe von 275 Millionen US-Dollar gegenüber der Fortress Investment Group in Verzug geraten.
Das Chapter-11-Verfahren wurde im September 2024 abgeschlossen, nachdem Red Lobster von der privaten Investorengruppe RL Holdings übernommen worden war, die Berichten zufolge von Fortress angeführt wird. RL Holdings ist weiterhin Eigentümer der Kette.
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Zur AktienanalyseHintergrund: Thai Unions Einstieg und Ausstieg bei Red Lobster
Thai Union hatte 2016 zunächst eine Minderheitsbeteiligung an Red Lobster erworben. Im Jahr 2020 schloss sich Thai Union mit einem anderen verbundenen Aktionär zusammen und erlangte so eine Mehrheitsbeteiligung sowie drei von fünf Sitzen im Verwaltungsrat der Restaurantkette. Damit kontrollierte der thailändische Konzern Red Lobster faktisch. Im Mai 2024 – zeitgleich mit der Insolvenzanmeldung – veräußerte Thai Union seine Beteiligung. In der Klage wird zudem behauptet, dass Thai Union im Rahmen des Chapter-11-Verfahrens kein Kapital beigesteuert habe.
Trotz der turbulenten Vergangenheit hat Red Lobster die „Endless Shrimp"-Aktion laut der Unternehmenswebsite im April wieder eingeführt. Allerdings ist die Aktion diesmal zeitlich begrenzt, und das Unternehmen nannte keine konkreten Kosten für das Angebot.


