Redwire: Weltraum-Erdbeeren und 500-Millionen-Dollar-Aktienemission
Der NYSE-notierte Space-Tech-Konzern Redwire baut Erdbeeren auf der ISS an und zapft gleichzeitig den Kapitalmarkt mit einem neuen ATM-Programm an.

Redwire Corporation, ein an der New Yorker Börse (NYSE) notierter Anbieter von Weltraum-Infrastruktur, sorgt gleich mit zwei Meldungen für Aufsehen: Das Unternehmen will Walderdbeeren auf der Internationalen Raumstation (ISS) anbauen – und hat zeitgleich ein neues Aktienemissionsprogramm über bis zu 500 Millionen US-Dollar aufgelegt. Die Aktie hat seit Jahresbeginn bereits über 200 Prozent zugelegt, bei kaum veränderten Konsenserwartungen.
Das Erdbeerprojekt entsteht in Zusammenarbeit mit Astrobiome Space, einem in Luxemburg ansässigen Unternehmen für „regenerative Weltraumlandwirtschaft", das sich im Besitz von Redwire befindet. Gründerin und CEO Vera Mulyani formuliert die Vision poetisch: „Ich träume davon, zum Mars zu fliegen und zu wissen, dass ich die Erde immer noch schmecken kann. Die erste im Weltraum angebaute Erdbeere wird winzig sein, aber ihr Geschmack wird die gesamte Geschichte des Waldes und des Wechsels der Jahreszeiten in sich tragen."
Konkret sollen Walderdbeeren – nach Unternehmensangaben die „ersten Walderdbeeren, die jemals im Orbit kultiviert wurden" – in Redwires kommerziellem Weltraumgewächshaus auf der ISS gezogen werden. Das Greenhouse nutzt dabei die sogenannten Passive Orbital Nutrient Delivery System (PONDS)-Geräte, die in Partnerschaft mit Tupperware Brands entwickelt wurden. Einen konkreten Starttermin für die ISS-Mission nannte Redwire bislang nicht; die Erdbeerpflanzen werden derzeit noch auf der Erde gezüchtet.
Redwire: Mehr als nur Obst im Weltraum
Hinter der ungewöhnlichen Schlagzeile steckt ein ernsthaftes Industrieunternehmen. Redwire gehört zu den größeren Pure-Play-Anbietern für diversifizierte Weltraum-Infrastruktur, dessen Aktivitäten bis in die 1960er Jahre zurückreichen. Zu den Kunden zählen die NASA sowie das US-Verteidigungsministerium. Die europäische Sparte entstand rund um die Übernahme des belgischen Satellitengeschäfts des britischen Rüstungskonzerns Qinetiq im Jahr 2022.
Finanziell steht das Unternehmen jedoch noch vor erheblichen Herausforderungen. Im vergangenen Jahr verzeichnete Redwire einen EBITDA-Verlust von 50 Millionen US-Dollar bei einem Umsatz von 335 Millionen US-Dollar. Dieser Umsatz verteilte sich nahezu gleichmäßig auf Weltraumkomponenten einerseits und Drohnen- sowie Verteidigungssysteme andererseits. Das Ziel, bis 2027 die EBITDA-Gewinnschwelle zu erreichen, bleibt ambitioniert.
Die Bewertung der Aktie spiegelt den allgemeinen Boom im Weltraumsektor wider. Mit einem Kursanstieg von über 200 Prozent seit Jahresbeginn wird Redwire inzwischen mit fast dem Neunfachen des für 2027 erwarteten Umsatzes bewertet – verglichen mit weniger als dem Vierfachen noch im Dezember. Analysten von Jefferies äußerten sich dazu kritisch: Während Trends wie sinkende Startkosten und die Beschleunigung von Satellitenstarts den Bedarf an Redwires Komponenten stützen könnten, „fehlt seinem Kerngeschäft wahrscheinlich das Potenzial für exponentielles Wachstum".
Neues ATM-Programm über 500 Millionen Dollar
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Zur AktienanalyseParallel zur Erdbeermeldung hat Redwire am 9. Juni 2026 ein neues At-the-Market (ATM) Aktienemissionsprogramm über bis zu 500 Millionen US-Dollar eingerichtet. Gleichzeitig wurde die vorherige ATM-Vereinbarung vom Mai 2026 vorzeitig und ohne Strafzahlungen beendet. Die neue Vereinbarung wurde mit einem Konsortium von Agenten geschlossen und ermöglicht Aktienverkäufe an der NYSE sowie über andere rechtmäßige Methoden, mit Provisionen von bis zu 3 Prozent.
Die Erlöse aus dem Programm sollen laut Unternehmen für folgende Zwecke eingesetzt werden:
- Betriebskapital und allgemeine Unternehmensbedürfnisse
- Potenzielle Schuldenrückzahlungen oder Refinanzierungen
- Akquisitionen oder Investitionen
- Forschung und Entwicklung
Das vorherige Programm wurde nach Unternehmensangaben beendet, um den Kapitalzugang unter der neuen, größeren Fazilität zu optimieren. Für Anleger bedeutet das ATM-Programm eine potenzielle Verwässerung bestehender Aktien – ein Aspekt, den Investoren angesichts der bereits hohen Bewertung im Blick behalten sollten. Der Weltraumsektor bleibt heiß begehrt, doch die Kombination aus operativen Verlusten und aggressiver Kapitalaufnahme mahnt zur Vorsicht.


