Reliance-Disney verklagen Zee wegen illegaler Bollywood-Film-Ausstrahlungen
JioStar wirft dem indischen TV-Rivalen Zee die unbefugte Ausstrahlung von 12 Bollywood-Filmen in rund 20 Fällen vor.

Der indische Medienriese JioStar, hervorgegangen aus der Fusion von Reliance und Disney, hat rechtliche Schritte gegen den Konkurrenten Zee eingeleitet. Laut von Reuters eingesehenen Rechtsdokumenten reichte JioStar am 4. Mai eine Klage beim Delhi High Court Legal Services Committee ein. Darin wird Zee vorgeworfen, mindestens 12 Bollywood-Filme rund 20 Mal ausgestrahlt zu haben, obwohl die Rechte daran bei JioStar lagen.
Zu den betroffenen Produktionen zählen namhafte Kassenschlager: der Klassiker „Deewaar" (Wall) aus dem Jahr 1975 mit Bollywood-Legende Amitabh Bachchan sowie „Tridev" (Trinity). Auch Filme mit Superstars wie Shah Rukh Khan und Aamir Khan sollen betroffen sein. JioStar bezeichnet Zee in seiner 120-seitigen Klageschrift als „gewohnheitsmäßigen Rechtsverletzer" und wirft dem Unternehmen vor, weiterhin „die unbefugte Ausstrahlung und Verwertung der Filme" zu betreiben.
Zee hingegen erklärte, die Ausstrahlungen seien „versehentlich und unbeabsichtigt" erfolgt. Das Unternehmen kündigte an, künftig mehr Vorsicht walten zu lassen, lehnte jedoch jegliche Haftung für den geforderten Schadenersatz ab.
Millionenforderungen und eskalierender Rechtsstreit
Zwei Quellen mit direkter Kenntnis des Vorgangs gaben an, dass JioStar voraussichtlich mehr als 250 Millionen Rupien — umgerechnet rund 2,61 Millionen US-Dollar — als Schadenersatz fordern wird. Eine endgültige Summe steht jedoch noch nicht fest. Der Fall erreichte das Stadium des Gerichtsausschusses, nachdem beide Seiten ab Februar 2025 mehr als ein Dutzend rechtliche Hinweise und Schreiben ausgetauscht hatten.
Das Delhi High Court Legal Services Committee bietet einen Mechanismus zur gütlichen Streitbeilegung. Der Ausschuss hat Zee aufgefordert, am 25. Mai zu erscheinen. Ein Nichterscheinen würde laut den Dokumenten als Weigerung gewertet, an der Mediation teilzunehmen. Sollte keine Einigung erzielt werden, könnte JioStar den Fall vor ein ordentliches Gericht bringen.
Der aktuelle Rechtsstreit ist jedoch nicht der erste zwischen den beiden Medienkonzernen. Im April hatte Zee seinerseits JioStar vor einem Gericht in Delhi wegen der angeblich unbefugten Nutzung urheberrechtlich geschützter Musik verklagt und fordert dafür rund 3 Millionen US-Dollar. Zudem laufen zwischen beiden Unternehmen bereits Schiedsverfahren in London über rund 1 Milliarde US-Dollar — im Zusammenhang mit einem gescheiterten Cricket-Lizenzgeschäft aus dem Jahr 2024. Die Klage von JioStar wegen der Bollywood-Filme gilt in diesem Kontext als offensichtliche Gegenreaktion auf die Musikklage von Zee.
Zwei Schwergewichte des indischen Medienmarkts
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Zur AktienanalyseJioStar entstand 2024 aus der 8,5 Milliarden US-Dollar schweren Fusion der indischen Medienaktivitäten von Reliance, dem Konzern des Milliardärs Mukesh Ambani, mit dem Disney-Konzern. Das Unternehmen ist der führende Akteur in Indiens rund 30 Milliarden US-Dollar schwerem Medien- und Unterhaltungsmarkt. Reliance gibt an, dass JioStar einen Marktanteil von 34,2 Prozent am indischen TV-Markt hält.
Zee ist eine der ältesten Mediengruppen Indiens und beziffert seinen eigenen Marktanteil aktuell auf 18 Prozent — ein Vierjahreshoch. Beide Unternehmen erreichen über zahlreiche Fernsehsender sowie jeweils eine eigene Streaming-Plattform Hunderte Millionen Zuschauer in Indien. Weder JioStar noch Zee wollten gegenüber Reuters eine Stellungnahme abgeben.
Die Aktien von Zee reagierten unmittelbar auf den Reuters-Bericht: Die Papiere weiteten ihre Verluste aus und fielen im Handel in Mumbai um 3,4 Prozent.


