Renditesprung bei Anleihen trübt globale Aktienmarktstimmung ein
Steigende Anleiherenditen, Inflationssorgen und Spannungen in der Straße von Hormus belasten die Märkte weltweit zum Wochenschluss.

Die Stimmung an den globalen Aktienmärkten kippt. Während die Wall Street zuletzt noch neue Höchststände feierte, zeigt sich in Asien und Europa ein deutlich düstereres Bild. Der Anleihenmarkt sendet seit Wochen Warnsignale – und nun scheint die Botschaft auch bei Aktienanlegern anzukommen: Steigende Inflation bedeutet, dass Zinserhöhungen wieder fest auf der Agenda stehen.
Japans Nikkei verlor am Freitag mehr als 1%, nachdem die japanischen Erzeugerpreise den stärksten Anstieg seit drei Jahren verzeichneten. Das befeuert die Erwartungen, dass die Bank of Japan bereits im Juni die Zinsen anheben könnte. Südkoreas KOSPI brach sogar um über 3% ein. Auch Europa steuert zur Eröffnung auf einen Rückgang von rund 1% zu.
Anleiherenditen auf Mehrjahreshochs
Besonders auffällig ist die Entwicklung am US-Anleihemarkt. Die jüngsten Auktionen von US-Staatsanleihen fielen schwach aus – ein deutliches Zeichen für den schwindenden Appetit der Investoren. Die Emission 30-jähriger Anleihen wurde erstmals seit 2007 bei einer Rendite von 5% zugeteilt. Am Freitag erreichten die 30-jährigen Renditen mit 5,061% ein Zehnmonatshoch.
Auch das kurze Ende der Zinskurve bleibt nicht verschont: Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen stiegen auf 4,055% – ein Einjahreshoch. Angesichts steigender Ölpreise und weiterhin konsumfreudiger Verbraucher preisen die Märkte den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank Federal Reserve rasch neu ein. Die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr hat sich innerhalb einer einzigen Woche auf 45% mehr als verdoppelt – selbst unter Kevin Warsh, Trumps Favorit für die Fed-Spitze.
Straße von Hormus als Unsicherheitsfaktor
Über den Märkten schwebt zudem die geopolitische Lage in der Straße von Hormus. Der Iran gibt an, dass etwa 30 Schiffe die strategisch wichtige Meerenge passieren – im Vergleich zum normalen Vorkriegsverkehr ist dies jedoch nur ein Bruchteil. Die Sorge wächst, dass die Passage über den Juni hinaus blockiert bleiben könnte, was die weltweiten Energiereserven aufzehren und eine handfeste Energiekrise auslösen könnte.
Auf der anderen Seite gab es auch positive Impulse: Die Wall Street profitierte zuletzt von einem Kurssprung von 4% bei Nvidia, nachdem CEO Jensen Huang gemeinsam mit US-Präsident Trump nach Peking gereist war. Trump signalisierte nach den Gesprächen mit China jedoch Ungeduld, was die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Handelsbeziehungen erhöht.
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Zur AktienanalyseVorsicht vor dem Wochenende angebracht
Die Kombination aus steigenden Anleiherenditen, geopolitischen Risiken und einer Neubewertung der Fed-Politik macht das Marktumfeld zum Wochenschluss anspruchsvoll. Das sogenannte „Smart Money" an den Anleihemärkten scheint sich bereits zu wappnen. Für Aktienanleger könnte es angesichts dieser Gemengelage sinnvoll sein, vor dem Wochenende einen Gang zurückzuschalten und die weitere Entwicklung zu beobachten.

