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Renters' Rights Act: Britische Vermieter fürchten längere Räumungsverfahren

Englands umfassendste Mietrechtsreform seit einer Generation tritt am 1. Mai in Kraft – mit weitreichenden Folgen für Vermieter und Mieter.

Renters' Rights Act: Britische Vermieter fürchten längere Räumungsverfahren

In England tritt am 1. Mai 2025 der sogenannte „Renters' Rights Act" in Kraft – die größte Reform des privaten Mietsektors seit Jahrzehnten. Das Gesetz soll Mietern mehr Sicherheit bieten, doch Vermieter warnen vor erheblichen Problemen bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Der Fall der 57-jährigen Rongmala aus dem Süden Londons zeigt exemplarisch, wie angespannt die Lage bereits heute ist.

Rongmala wurde zur Vermieterin „wider Willen", als sie aufgrund ihrer Behinderungen nicht mehr allein leben konnte. Sie zog zu ihren Kindern und vermietete ihre Maisonette-Wohnung. Doch im vergangenen Jahr stellte ihr Mieter die Mietzahlungen ein – inzwischen beläuft sich der Mietrückstand auf rund 15.000 Britische Pfund. Obwohl ein Richter eine Räumungsanordnung erlassen hat, kann die Familie nur auf gerichtlich bestellte Gerichtsvollzieher warten. Die Familie wurde informiert, dass dieser Prozess bis zu 11 Monate dauern könnte.

Zusätzlich zu den entgangenen Mieteinnahmen musste Rongmala 2.500 Britische Pfund für Kesselreparaturen sowie Nebenkosten und eine Hypothek für die Immobilie aufbringen. Ihr Sohn Marouf beschreibt die Situation als „herzzerreißend" und seine Mutter als „hilflos" angesichts eines überlasteten Justizsystems. Rongmala selbst sagt, die finanziellen Probleme lösten bei ihr Depressionen aus.

Lange Wartezeiten und steigende Mietverluste

Die Zahlen des britischen Justizministeriums verdeutlichen das strukturelle Problem: Private Vermieter warten derzeit im Median 26 Wochen zwischen der Einreichung einer Klage und der tatsächlichen Wiederinbesitznahme einer Immobilie. Vor zehn Jahren waren es noch etwa 16 Wochen – die Verfahren haben sich also deutlich verlängert. Daten der „National Residential Landlords' Association" (NRLA) zeigen zudem, dass der durchschnittliche Mietverlust pro Immobilie landesweit bei über 12.000 Britischen Pfund liegt, in London sogar bei über 19.000 Britischen Pfund.

Das neue Gesetz verändert die rechtliche Grundlage für Kündigungen grundlegend. Bisher konnten Vermieter über eine sogenannte „Section 21"-Mitteilung Mieter ohne Angabe von Gründen mit einer Frist von nur acht Wochen kündigen – ein rein papierbasiertesVerwaltungsverfahren, wie NRLA-Politikdirektor Chris Norris erklärt. Künftig müssen Vermieter einen von wenigen anerkannten Kündigungsgründen nachweisen, darunter Eigenbedarf, antisoziales Verhalten oder anhaltende Mietrückstände. Fechten Mieter eine Kündigung an, ist eine Gerichtsverhandlung zwingend erforderlich – was die Verfahren weiter verlängern dürfte.

Mieter berichten ebenfalls von erheblichen Problemen

Doch auch auf Mieterseite ist die Lage angespannt. Rosie und ihre Freunde, junge Berufstätige, die Anfang des Monats an einem Protest in London teilnahmen, berichteten, sie hätten „Dutzende Male" umziehen müssen. Einige zahlten nach eigenen Angaben „70 Prozent ihres Gehalts" an Miete. Fran Brown, 58 Jahre alt, musste seit 2017 fünfmal umziehen und steht nun vor einer weiteren Mieterhöhung. Sie fühle sich „der Willkür des Vermieters ausgeliefert".

Ein weiterer Mieter namens James erhielt Ende Februar eine Räumungsklage und kämpft darum, eine neue Wohnung für sich, seine Frau und seine zwei Kinder zu finden. Er beschreibt es als „wirklich hart, der Realität ins Auge zu blicken, dass wir unser gesamtes Leben, das wir über zehn Jahre aufgebaut haben, einpacken und auf Abruf so kurzfristig woanders hinbringen müssen".

Regierung verspricht Entlastung der Gerichte

Die Interimsdirektorin der „Renters Reform Coalition", Clara Collingwood, zeigte sich begeistert von den Änderungen und erklärte, das neue Gesetz werde einen „gewaltigen Unterschied" machen. Ein Regierungssprecher erklärte, die Reformen würden „den Druck auf die Gerichte langfristig verringern". Um die Gerichte kurzfristig zu unterstützen, wolle die Regierung in diesem Jahr bis zu 1.000 Richter und Tribunalmitglieder für alle Gerichte und Tribunale einstellen. Das Gesetz werde den Mietern „dringend benötigte und längst überfällige" Sicherheit in ihren Wohnungen geben.

Vermieter wie der ehemalige Ingenieur Keith Taylor, der drei Immobilien vermietet, bleiben skeptisch. Er berichtet, einige Mieter hätten Schäden in Höhe von rund 8.000 Britischen Pfund an seinen Immobilien hinterlassen. Das kommende Gesetz mache Vermieter „sehr nervös", so Taylor. Für Deutschland ist der britische Fall ein interessantes Beobachtungsfeld: Auch hierzulande wird die Balance zwischen Mieter- und Vermieterrechten regelmäßig politisch debattiert – die Erfahrungen aus England könnten dabei wertvolle Lehren liefern.

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