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Rheinmetall übernimmt mehrere norddeutsche Werften

Konzern steigt in den Marinesektor ein und integriert internationale Standorte

Rheinmetall übernimmt mehrere norddeutsche Werften

Rheinmetall erweitert sein Geschäft deutlich und steigt nun in den Schiffbau ein. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern übernimmt die Marinesparte der Bremer Lürssen-Gruppe, die unter dem Namen Naval Vessels Lürssen (NVL) firmiert. Damit gehen traditionsreiche Standorte wie Blohm + Voss und die Norderwerft in Hamburg, die Peene-Werft in Wolgast sowie die Neue Jadewerft in Wilhelmshaven in den Besitz des Konzerns über. Neben den norddeutschen Werften gehören auch internationale Standorte in Bulgarien, Kroatien, Ägypten und Brunei zu dem Paket.

Die Übernahme markiert einen tiefgreifenden Einschnitt in die norddeutsche Werftenlandschaft. Rheinmetall, bislang auf Rüstungsgüter wie Schiffsgeschütze oder Lasermodule spezialisiert, erweitert sein Portfolio nun um den kompletten Marinesektor. Damit stellt sich das Unternehmen breiter auf und sichert sich den Zugang zu einem Geschäftsfeld, das in den vergangenen Jahren vor allem durch Aufträge der Bundeswehr sowie durch internationale Nachfrage gewachsen ist.

Rund 2.100 Beschäftigte weltweit sind von dem Wechsel betroffen. NVL erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von etwa einer Milliarde Euro. Der Auftragseingang ist mit rund sieben Milliarden Euro beziffert, darunter auch Projekte für die deutsche Marine und andere Staaten. Besonders im Bereich autonomer Schiffe sehen Branchenkenner Potenzial, da schwimmende Drohnen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Rheinmetall selbst teilte in der Nacht zum Montag mit, dass über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart wurde.

Noch steht die Zustimmung der Kartellbehörden aus. Rheinmetall und die Lürssen-Gruppe rechnen damit, die Transaktion Anfang kommenden Jahres abschließen zu können. Der Schritt kommt zu einer Zeit, in der sich der Konzern aufgrund der geopolitischen Lage stark entwickelt hat. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 hat sich der Börsenkurs von Rheinmetall nach Unternehmensangaben etwa verzwanzigfacht. Das Unternehmen zählt zu den bedeutendsten Waffenlieferanten der Ukraine, wobei ein Teil der Kosten von der Bundesregierung übernommen wird.

Für die Werften Blohm + Voss, Norderwerft, Peene-Werft und Neue Jadewerft bedeutet der Eigentümerwechsel einen Neuanfang unter dem Dach eines der größten deutschen Rüstungskonzerne. Die traditionsreiche Industrie an den norddeutschen Standorten wird damit künftig stärker in die Verteidigungsindustrie eingebunden. Auch internationale Kooperationen sind durch die bestehenden NVL-Standorte im Ausland weiterhin möglich.

Das Geschäft zwischen Rheinmetall und Lürssen verdeutlicht den wachsenden Stellenwert des maritimen Sektors innerhalb der Rüstungsindustrie. Mit der Integration von NVL erweitert Rheinmetall seine Präsenz nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit. Dabei verbindet das Unternehmen seine bisherigen Kompetenzen mit dem Schiffbau, um in Zukunft komplette Marinesysteme aus einer Hand anbieten zu können.

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