Rio Tinto: Lithium soll schnellste wachsende Sparte werden
Der Bergbauriese will seine Lithiumproduktion bis 2028 verdreifachen und setzt auf kostengünstige Anlagen für Elektrofahrzeug-Märkte.

Rio Tinto erwartet, dass sein Lithiumgeschäft künftig schneller wächst als alle anderen Konzernsparten – einschließlich Kupfer und Eisenerz. Das gab das Unternehmen auf einem Führungstreffen am Dienstag bekannt. Ziel ist es, die Produktion für die Märkte für Elektrofahrzeuge und Batteriespeicher bis 2028 zu verdreifachen.
Das weltweit zweitgrößte Bergbauunternehmen stieg erst im vergangenen Jahr in den Lithiumsektor ein, als es den US-Konzern Arcadium übernahm. Dieser strategische Zukauf verschaffte Rio Tinto Zugang zu Minen, Verarbeitungsanlagen und Lagerstätten auf vier Kontinenten sowie zu einem Kundenstamm, zu dem auch Tesla gehört.
Integration inmitten eines Markteinbruchs
Die Übernahme erfolgte zu einem schwierigen Zeitpunkt: Rio Tinto integriert die Arcadium-Vermögenswerte inmitten eines erheblichen Einbruchs der Lithiumpreise. Dieser wurde teilweise durch ein chinesisches Überangebot verursacht und zwang eine Welle von Entlassungen in der gesamten Branche. Erst in den letzten Monaten begann sich die Marktschwäche zu entspannen.
Trotz des schwierigen Umfelds arbeitet Rio Tinto nun an der Eröffnung neuer Minen in Argentinien und Kanada. Jérôme Pécresse, Leiter der Geschäftseinheit Aluminium und Lithium, erklärte gegenüber Reuters am Rande der Fastmarkets Global Lithium, Battery and Critical Materials Conference in Las Vegas, dass das Unternehmen davon überzeugt ist, diese Projekte auch bei einem erneuten Preisverfall wirtschaftlich betreiben zu können.
Konkret plant Rio Tinto, in diesem Jahr mindestens 61.000 Tonnen Lithium zu produzieren. Bis 2028 soll die Kapazität auf 200.000 Tonnen pro Jahr ausgebaut werden – sofern der Markt dies erfordert. „Wir wollen zeigen, dass wir termingerecht und im Rahmen des Budgets bauen können", sagte Pécresse, ein ehemaliger Manager von General Electric, der 2023 zu Rio stieß. „Das nimmt 90% meiner Zeit in Anspruch."
Langfristige Verträge mit Preisschutz
Rio Tinto setzt dabei bewusst auf eine Strategie der Kostendisziplin. Pécresse betonte, dass das Unternehmen ausschließlich kostengünstige Anlagen in Betrieb nehmen will, um Kunden mit langfristigen Verträgen zu beliefern. Viele dieser Verträge sehen Preisunter- und -obergrenzen vor, um sowohl Produzenten als auch Käufer vor extremen Marktschwankungen zu schützen.
Dennoch räumte Pécresse ein, dass sich der Lithiummarkt noch in einer frühen Wachstumsphase befindet. „Es ist ein Markt, der gewissermaßen versucht, sich selbst zu finden", sagte er. Diese Einschätzung spiegelt die rasche Transformation von Lithium von einem Nischenmaterial zu einem hochgradig gefragten Industrierohstoff wider.
Ein wesentlicher Teil des geplanten Wachstums soll aus Investitionen in die sogenannte direkte Lithiumextraktion (Direct Lithium Extraction, DLE) resultieren – eine innovative Fördertechnologie, die ein Hauptgrund für die Arcadium-Übernahme war. Pécresse erwartet den Start eines der DLE-Projekte von Rio Tinto innerhalb weniger Jahre. Weitere Übernahmen von Lithiumprojekten seien derzeit nicht geplant. „Wir sind mit den Arcadium-Vermögenswerten sehr zufrieden", so Pécresse.
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Zur AktienanalyseKein Ziel, Marktführer zu werden
Obwohl die Arcadium-Übernahme und das geplante Wachstum Rio Tinto zu einem der weltweit größten Lithiumproduzenten machen könnten, ist dies laut Pécresse nicht das erklärte Ziel des Konzerns. Weltmarktführer ist derzeit Albemarle. „Wir haben keine Strategie, die Nummer eins oder beispielsweise die Nummer drei zu sein", sagte Pécresse. „Unsere Strategie besteht darin, über ein Portfolio an Vermögenswerten zu verfügen, die groß genug sind, um uns Relevanz bei den Kunden zu verschaffen."
Pécresse, der dem Exekutivkomitee von Rio Tinto angehört, lehnte zudem eine Stellungnahme zu möglichen Fusionsbestrebungen zwischen Rio Tinto und dem Rohstoffkonzern Glencore ab. Er verwies dabei auf eine sechsmonatige Stillhaltefrist, die im August ausläuft.


