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Roche kehrt in den Diätmittelmarkt zurück

Milliardenübernahme von Carmot Therapeutics - Schweizer Pharmaunternehmen setzt auf Abnehmtrends

Roche kehrt in den Diätmittelmarkt zurück

In einer überraschenden Ankündigung gab der Schweizer Pharmakonzern Roche bekannt, dass er sich wieder in das lukrative Geschäft mit Abnehmmedikamenten einsteigt. Für satte 2,7 Milliarden Dollar übernimmt Roche das kalifornische Unternehmen Carmot Therapeutics. Zusätzlich könnten Meilensteinzahlungen von bis zu 400 Millionen Dollar hinzukommen, abhängig von den Entwicklungsfortschritten. Die Transaktion soll im ersten Quartal des kommenden Jahres abgeschlossen werden, wie Roche heute mitteilte.

Carmot Therapeutics ist auf die Entwicklung von Wirkstoffen spezialisiert, die zur Behandlung von Fettleibigkeit und Diabetes eingesetzt werden können. Diese Wirkstoffe gehören zur Gruppe der GLP-1-Analoga, die ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt wurden, mittlerweile aber auch zur Gewichtsabnahme eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie den Appetit der Patienten verringern und ein schnelleres Sättigungsgefühl bewirken.

Bisher hatte der dänische Konzern Novo Nordisk mit seinem Diabetesmittel Ozempic und dem Abnehmmedikament Wegovy, beide auf Basis desselben Wirkstoffs, große Erfolge erzielt und in den sozialen Medien für Furore gesorgt. Patienten, die diese Mittel einnehmen, können bis zu 15 Prozent ihres Körpergewichts verlieren. Selbst Tesla-Chef Elon Musk ist ein prominenter Unterstützer dieser Spritzen-Diät.

Neben Novo Nordisk hat auch der US-Pharmakonzern Eli Lilly ein GLP1-Mittel gegen Diabetes auf den Markt gebracht und kürzlich in den USA die Zulassung für die Behandlung von Adipositas erhalten. Die EU-Zulassung steht noch aus. Angesichts der enormen Nachfrage investieren beide Unternehmen Milliarden in den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten, was jedoch immer wieder zu Lieferengpässen führt, insbesondere für Diabetiker. Marktanalysten gehen davon aus, dass die Nachfrage auch im kommenden Jahr die Produktionskapazitäten der Pharmafirmen übersteigen wird.

Mit dem Kauf von Carmot Therapeutics versucht Roche, einen Platz in diesem milliardenschweren Markt zu sichern. Analysten schätzen, dass innerhalb eines Jahrzehnts bis zu zehn konkurrierende Adipositas-Medikamente auf den Markt kommen könnten, die zusammen einen Jahresumsatz von bis zu 100 Milliarden Dollar generieren könnten.

Es ist jedoch zu beachten, dass die von Carmot Therapeutics entwickelten Mittel noch in frühen Entwicklungsphasen stecken. Das am weitesten fortgeschrittene Produkt steht kurz vor der klinischen Phase-2-Studie und zielt auf die Behandlung von Fettleibigkeit bei Patienten mit und ohne Typ-2-Diabetes ab. Bis zur Markteinführung werden jedoch noch Phase 2 und 3 der klinischen Studien sowie die Marktzulassung durchlaufen müssen. Andere von Carmot entwickelte Mittel befinden sich noch in früheren Entwicklungsstadien.

Es scheint, als ob Roche seine Chance im Abnehmmedikamentenmarkt, die es bereits einmal hatte, nicht wieder verpassen möchte. Der Schweizer Konzern hatte bereits vielversprechende Produkte in der Pipeline, aber 2018 an Eli Lilly verkauft und sich vorübergehend aus dem GLP1-Markt zurückgezogen. Diese Entscheidung könnte sich als verpasste Gelegenheit erweisen, um in diesem Bereich zum führenden Pharmaunternehmen aufzusteigen.

Zuletzt war Roche wegen seiner schwachen Pharmapipeline in die Kritik geraten, obwohl das Unternehmen seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung erheblich erhöht hatte. Insbesondere in der Krebsforschung fehlten neue Durchbrüche. Die Anleger reagierten daher positiv auf Roche's Vorstoß in das Abnehmgeschäft, und der Aktienkurs stieg bis zum Mittag um rund 4,5 Prozent.

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