Roche-Studie: Antikörper Gantenerumab können Alzheimer nicht aufhalten
Der Schweizer Arzneimittelhersteller gab am Montag bekannt, dass sich die Hoffnungen zerschlagen haben

Zwei Studien des Pharmakonzerns Roche zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit im Spätstadium sind gescheitert und fügen sich damit in eine lange Liste von Enttäuschungen auf diesem Gebiet ein.
Der Schweizer Arzneimittelhersteller gab am Montag bekannt, dass zwei Phase-3-Studien mit dem Antikörper Gantenerumab den Krankheitsverlauf von Menschen mit Alzheimer im Frühstadium nicht verlangsamen konnten. Beide Studien verfehlten den "primären Endpunkt", also das wichtigste Forschungsziel.
Das experimentelle Medikament richtet sich gegen Beta-Amyloid, das Protein, das sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten zu Plaques verklumpt. Die beiden Studien zeigten, dass der Abbau der Plaques geringer war als erwartet, so Roche. Die in der Schweiz börsennotierten Roche-Aktien fielen aufgrund dieser Nachricht und verloren nach Börseneröffnung mehr als 4 Prozent.
Die Beta-Amyloid-Hypothese, dass die Alzheimer-Krankheit durch die Bekämpfung des Proteins verlangsamt oder gestoppt werden kann, ist sehr umstritten, und zahlreiche Studien, in denen sie getestet wurde, sind gescheitert. Doch die im September veröffentlichten positiven Ergebnisse eines von den Pharmakonzernen Biogen und Eisai gemeinsam entwickelten Medikaments, das das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt, hatten Hoffnungen geweckt.
Die Forschung zur Alzheimer-Behandlung hat sich als hartnäckig erfolglos erwiesen, da seit fast zwei Jahrzehnten keine neuen Moleküle zugelassen wurden. Ein Medikament von Biogen namens Aducanumab wurde letztes Jahr als erstes Medikament von den US-Behörden zugelassen, obwohl sein Nutzen begrenzt zu sein scheint und die US-Versicherer sich weigern, es zu bezahlen.
Der Rückschlag bei Roche ergänzt die Liste der Herausforderungen, vor denen der designierte Konzernchef Thomas Schinecker steht, wenn er nächstes Jahr das Ruder übernimmt. Schinecker ist derzeit Leiter der Diagnostiksparte des Unternehmens, einer wichtigen Einnahmequelle des Arzneimittelherstellers. Der derzeitige Chef des Unternehmens, Severin Schwan, hat sich bemüht, den Schwerpunkt von Roches traditionellem Spezialgebiet, der Krebsmedizin, zu erweitern.
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Zur AktienanalyseRoche erklärte, dass es sich weiterhin für die Erforschung der Alzheimer-Krankheit einsetzt. "Das Unternehmen arbeitet weiter an der Entwicklung und Bereitstellung von Tests, die eine frühzeitige und genaue Alzheimer-Diagnose ermöglichen, und verfügt über eine Pipeline von Medikamenten für verschiedene Ziele, Arten und Stadien der Krankheit", so das Unternehmen.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation leben weltweit mehr als 55 Millionen Menschen mit Demenz, wobei die Alzheimer-Krankheit mit 60 bis 70 Prozent der Fälle die häufigste Form ist.


