ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Rolleiflex: Aufstieg und Fall einer deutschen Kamera-Legende

Einst fotografierte die Queen mit ihr – heute ist von der Braunschweiger Kameramarke Rollei kaum noch etwas übrig.

Rolleiflex: Aufstieg und Fall einer deutschen Kamera-Legende

Ein ikonisches Foto, aufgenommen am 30. April 1945: Die amerikanische Fotojournalistin Lee Miller reinigt sich in Adolf Hitlers Badewanne, ihre schmutzigen Stiefel haben Spuren auf dem Teppich des Diktators hinterlassen. Das Bild erschien in der britischen Vogue und ging um die Welt. Aufgenommen wurde es mutmaßlich mit einer Rolleiflex – jenem markanten Kameragehäuse mit zwei übereinander angeordneten Objektiven, das jahrzehntelang für Qualität aus Braunschweig stand.

Profis und Amateure kauften die Rolleiflex millionenfach. Das eckige Design war unverwechselbar, der Ruf makellos. Doch von dem einst so stolzen deutschen Kamerahersteller ist heute kaum noch etwas übrig geblieben.

Gründung und goldene Jahre

Der Mechaniker Reinhold Heidecke und der Kaufmann Paul Franke gründeten Rollei Anfang 1920 – zunächst unter dem Namen Franke & Heidecke. Im August 1928 kam die erste Serienkamera auf den Markt: robust, präzise und bei den Kunden sofort beliebt. Das Unternehmen expandierte und erweiterte seine Produktpalette kontinuierlich.

Während des Zweiten Weltkriegs produzierte Rollei vorwiegend für die deutsche Armee, darunter Präzisionsoptiken für Zielfernrohre. Nach Kriegsende knüpfte die Firma rasch an frühere Erfolge an. Mit dem Tod von Mitgründer Paul Franke im Jahr 1950 und der Übernahme durch seinen Sohn Horst begann jedoch der schleichende Niedergang. Die Konkurrenz holte auf, und Kameras mit wechselbaren Einzelobjektiven sowie variablen Brennweiten verdrängten die zweiäugigen Boxkameras zunehmend vom Markt. 1964 übergab Horst Franke die Unternehmensführung an den Physiker Heinrich Peesel.

Die Rollei 35 und ein royaler Kunde

Unter Peesels Leitung gelang Rollei ein spektakulärer Coup: Das Unternehmen entwickelte die damals kleinste Kleinbildkamera der Welt. Die Rollei 35 wurde ein voller Erfolg und verdreifachte den Firmenumsatz. Selbst die britische Königin griff regelmäßig zu einem eigens für sie angefertigten Exemplar – gefertigt in Gold und eingefasst in Eidechsenleder.

Doch der Aufschwung hielt nicht lange an. Um der wachsenden und günstigeren Konkurrenz aus Japan zu begegnen, plante Peesel in den 1970er-Jahren ein Werk zur Massenfertigung in Singapur – für die damalige Zeit eine echte Pionierleistung. Der Expansionsdrang sollte sich jedoch als fataler Fehler erweisen.

Überdehnung, Insolvenz und das Ende einer Ära

Bis 1980 wollte Peesel 10.000 Arbeitsplätze in Singapur schaffen. Doch die notwendigen Investitionen überstiegen die verfügbaren Mittel bei weitem, und die Aufträge reichten nicht aus, um die Kosten zu decken. Das Werk war bis zuletzt maximal zu 60 Prozent ausgelastet. Rollei schrieb Millionenverluste und meldete 1981 Insolvenz an.

In den Folgejahren zerfiel das Unternehmen in seine Einzelteile und wechselte mehrfach den Eigentümer. 2010 erwarb die RCP-Technik GmbH die Marke. Seitdem vertreibt das Unternehmen Kamerazubehör unter dem Rollei-Logo: Objektive, Stative und Blitzgeräte. Welthistorische Bilder wird eine Rollei damit wohl nicht mehr festhalten – aber vielleicht hilft gelegentlich ein Rollei-Stativ oder -Blitz beim nächsten Schnappschuss.

RolleiflexRolleiKamerahersteller BraunschweigRollei InsolvenzRollei 35Deutsche KameramarkeFranke Heidecke

Disclaimer