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Rolls-Royce vor Mega-Atomdeal: KI-Boom treibt Rekordergebnisse

Der britische Konzern profitiert massiv vom KI-Infrastrukturboom und hebt seine Jahresprognose deutlich an.

Rolls-Royce vor Mega-Atomdeal: KI-Boom treibt Rekordergebnisse

Rolls-Royce steht kurz vor dem Abschluss einer großen Rahmenvereinbarung mit einem Hyperscaler-Rechenzentrumsbetreiber. CEO Tufan Erginbilgic bestätigte am Donnerstag, dass das Unternehmen bereits fortgeschrittene Gespräche über Stromsysteme und kleine modulare Reaktoren (SMR) führe und die interne Genehmigung für den Deal einholen wolle. Der Konzern positioniert sich damit als zentraler Zulieferer für den globalen KI-Infrastrukturaufbau.

Der Hintergrund: Rechenzentren weltweit kämpfen zunehmend darum, Anschlüsse an das öffentliche Stromnetz zu sichern. Weil die Kapazitäten knapp sind, suchen Betreiber nach alternativen, dezentralen Energielösungen – genau das Spezialgebiet von Rolls-Royce. Finanzvorständin Helen McCabe erklärte in einem Gespräch mit CNBC, dass die Aufträge im Bereich der Stromversorgung für Rechenzentren im ersten Halbjahr um mehr als 50% gestiegen seien.

Strategischer Wandel im Energiegeschäft

Traditionell lieferte Rolls-Royce vor allem Notstromaggregate – Motoren, die im Normalbetrieb stillstanden und nur bei Stromausfällen ansprangen. Das Geschäftsmodell hat sich grundlegend verändert: KI-Rechenzentren verlangen heute Motoren, die rund um die Uhr Strom erzeugen. Für Rolls-Royce bedeutet das nicht nur mehr Motorenverkäufe, sondern auch jahrelange, margenstarke Wartungsverträge.

Infolgedessen erhöht das Unternehmen seine Wachstumsziele für das Energieerzeugungsgeschäft erheblich. Bis 2030 erwartet Rolls-Royce nun ein jährliches Umsatzwachstum von 25% in diesem Segment – nach einem bisherigen Ziel von 20% und einem aktuellen Wachstum von weniger als 10%. Systeme zur kontinuierlichen Stromversorgung könnten bis 2030 bis zu einem Fünftel des gesamten Energieerzeugungsgeschäfts ausmachen.

Starke Halbjahreszahlen und angehobene Prognose

Die Finanzzahlen für das erste Halbjahr 2026 unterstreichen die Dynamik des Konzerns eindrucksvoll. Der bereinigte operative Gewinn stieg um 46% auf 2,5 Milliarden Pfund (rund 3,3 Milliarden US-Dollar), während der Umsatz um mehr als 24% auf 11,3 Milliarden Pfund zulegte. Rolls-Royce profitierte dabei von einer robusten Nachfrage in den Bereichen zivile Luftfahrt, Verteidigung und Energiesysteme.

Auf Basis dieser starken Ergebnisse hob das Unternehmen seine Jahresprognose deutlich an. Der bereinigte operative Gewinn für das Gesamtjahr wird nun zwischen 4,7 und 4,9 Milliarden Pfund erwartet – gegenüber der vorherigen Prognose von 4,0 bis 4,2 Milliarden Pfund. Auch beim freien Cashflow erhöhte Rolls-Royce die Zielspanne auf 3,8 bis 4,0 Milliarden Pfund, nach zuvor 3,6 bis 3,8 Milliarden Pfund.

Die Märkte reagierten positiv: Die Aktie stieg im Mittagshandel um 5,5%, während der FTSE 100 unverändert blieb. Bemerkenswert ist die langfristige Kursentwicklung: In den vergangenen fünf Jahren legte die Rolls-Royce-Aktie um mehr als 1.300% zu. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus 21% – ein Beleg für den erfolgreichen Turnaround unter CEO Erginbilgic.

Zwei Wachstumsmotoren: KI und Verteidigung

Rolls-Royce partizipiert gleichzeitig an zwei der größten Investitionszyklen auf den internationalen Märkten. Neben dem KI-Infrastrukturboom profitiert der Konzern massiv von steigenden globalen Verteidigungsausgaben. Das Verteidigungsgeschäft verzeichnete im ersten Halbjahr ein organisches Umsatzwachstum von 17%, während die bereinigten Gewinne um 57% stiegen.

McCabe verwies auf langfristige Zusagen im Rahmen des britischen Verteidigungsinvestitionsplans sowie auf das Drängen der NATO auf höhere Militärinvestitionen. Das Verteidigungsgeschäft sei tendenziell „generationenübergreifend", so die Finanzvorständin. Auch die Sparte Power Systems profitiere von erhöhten Militärausgaben der Regierungen, allerdings mit kürzeren Investitionszyklen.

Die Sparte Power Systems steigerte den Umsatz auf organischer Basis um 28% und den Gewinn sogar um 72%, getrieben vor allem durch die Nachfrage nach Strom für Rechenzentren. Das größte Segment, die zivile Luftfahrt mit Triebwerken für Airbus- und Boeing-Großraumflugzeuge, legte beim Umsatz um 29% und beim Gewinn um 31% zu. Rolls-Royce hat sich damit vom reinen Luftfahrtzulieferer zu einem breit aufgestellten Technologie- und Energiekonzern gewandelt.

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