RTL Group korrigiert erneut nach unten
Wegen anhaltend schwacher Werbemärkte muss der Medienkonzern seine Prognose für 2023 reduzieren

Die Lage im Medienhaus RTL bleibt angespannt. Konzernchef Thomas Rabe sieht sich erneut gezwungen, die Prognosen für die TV-Gruppe nach unten zu korrigieren. Trotz anfänglich positiver Signale im Werbegeschäft, die im Sommer für einen vorsichtigen Optimismus sorgten, muss Rabe nun einräumen, dass die anhaltend schwachen Werbemärkte eine Revision der Jahresziele unumgänglich machen. Für das laufende Jahr erwartet die RTL-Group nun ein bereinigtes Ebita von 900 Millionen Euro, ein Rückgang um 50 Millionen Euro im Vergleich zu den vorherigen Schätzungen.
Die Gründe für die erneute Korrektur sind vielschichtig, aber insbesondere die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland geben zu denken. Die traditionell umsatzstarke Vorweihnachtszeit, die durch Konsumfreudigkeit und entsprechend hohe Werbeausgaben der Unternehmen gekennzeichnet ist, scheint in diesem Jahr keine Erleichterung zu bringen. Die ersten neun Monate des Jahres waren für RTL ernüchternd: Die Werbeeinnahmen sanken um fast sieben Prozent auf 4,6 Milliarden Euro, mit einem besonders starken Einbruch im letzten Quartal.
Die Konjunkturabkühlung, verschärft durch die Energiekrise und steigende Inflation, hat Unternehmen vorsichtig gemacht. Marketing- und Werbebudgets werden gekürzt, was der RTL-Group empfindlich zusetzt. Dies spiegelt sich auch im gesamten deutschen Werbemarkt wider, der im ersten Dreivierteljahr einen Rückgang von zwölf Prozent verzeichnete.
Während RTL kämpft, sieht es für die Konzernmutter Bertelsmann anders aus. Das Unternehmen, das über 40 Prozent seiner Umsätze durch Werbung generiert, kann trotz der Herausforderungen im TV-Segment von einem Rekordumsatz berichten. Die Diversifizierung des Konzerns zahlt sich aus: Mit einem Umsatzplus von 0,8 Prozent auf 14,6 Milliarden Euro im ersten Dreivierteljahr zeigt Bertelsmann Stärke. Der Publikumsverlag Penguin Random House, der Dienstleister Arvato, die Musiksparte BMG und das Bildungsgeschäft sind die aktuellen Wachstumsmotoren.
Rabe, der Bertelsmann seit 2012 führt, hat das Unternehmen umfassend transformiert. Mit einer internationalen, digitalen und regional diversifizierten Strategie soll die Abhängigkeit von den schwankenden Werbe- und Anzeigenerlösen reduziert werden. Die Investitionen in die Zukunft tragen bereits Früchte: Das Streaming-Geschäft von RTL, das mit der Einführung von RTL+ einen weiteren Schub bekommen hat, verzeichnet einen Umsatzzuwachs von über 20 Prozent.
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Zur AktienanalyseDie genauen Gewinnzahlen hält Bertelsmann noch zurück, doch das Bild ist klar: Die Strategie der Diversifikation und Investition in digitale Dienstleistungen zahlt sich aus, auch wenn das Kerngeschäft von RTL unter Druck steht. So navigiert das Medienunternehmen durch ein Jahr, das von der deutschen Werbeindustrie als „Risikojahr“ bezeichnet wird, mit einer klaren Vision für die Zukunft.


