Rubel auf historischem Tiefstand
Sanktionen, Inflation und Zinsanhebungen prägen die russische Wirtschaftslage

Die russische Landeswährung Rubel hat in den letzten Monaten erheblich an Wert verloren. Ein Dollar kostet inzwischen mehr als 100 Rubel, ein Niveau, das zuletzt im März 2022 erreicht wurde. Seit August hat der Rubel im Vergleich zum US-Dollar und zum chinesischen Yuan über 24 Prozent seines Wertes eingebüßt. Laut dem Datenanbieter LSEG lag der Kurs am Mittwoch bei 106,40 Rubel pro Dollar. Gegenüber dem Yuan sank der Rubel auf 14,74, ebenfalls der tiefste Stand seit mehr als zweieinhalb Jahren.
Diese Entwicklung kommt für viele Wirtschaftsexperten unerwartet. Anfang November hatten Analysten noch prognostiziert, dass die russische Währung die Marke von 100 Rubel pro Dollar halten könnte. Die Analysten des Brokers BCS erklärten, dass der Markt nun auf Maßnahmen der russischen Finanzbehörden gegen die Abwertung warte. Die jüngsten Schwankungen auf den Devisenmärkten bezeichneten sie als Ausdruck von Unsicherheit und spekulativen Käufen.
Der Kursverfall des Rubel wurde durch neue Sanktionen gegen den russischen Finanzsektor zusätzlich verstärkt. Diese Maßnahmen beeinträchtigen die Zahlungsabwicklung im Außenhandel, insbesondere im Öl- und Gasgeschäft. Fast alle großen russischen Banken, einschließlich der Gazprombank, sind von US-Sanktionen betroffen und können keine Transaktionen in US-Dollar durchführen. Die Einfuhr von Dollar-Bargeld bleibt ihnen als einzige Option, um weiterhin Devisen zu handeln.
Einige Experten gehen davon aus, dass der Rubel weiter abrutschen könnte und bis zum Jahresende zwischen 115 und 120 Rubel pro Dollar liegen könnte. Um dies zu verhindern, könnten russische Exporteure gezwungen werden, größere Mengen an Devisen zu verkaufen. Gleichzeitig äußerte sich Finanzminister Anton Siluanow optimistisch, dass der schwache Rubel für Exporteure vorteilhaft sei. Er verwies darauf, dass dadurch die Einnahmen aus Energiesteuern und Exportzöllen steigen könnten.
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Zur AktienanalyseDie anhaltende Abwertung hat jedoch gravierende Auswirkungen auf die russische Wirtschaft. Die Inflation dürfte weiter zunehmen, da importierte Waren teurer werden. Schätzungen der Zentralbank zufolge erhöht eine Abwertung des Rubel um zehn Prozent die Inflationsrate um 0,5 Prozentpunkte. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat die Zentralbank den Leitzins auf 21 Prozent angehoben, den höchsten Wert seit 2003. Experten sehen darin einen Versuch, die steigenden Preise unter Kontrolle zu bringen und die Währung zu stabilisieren.


