Rücknahmewelle bei Private-Credit-Fonds erreicht 12 Milliarden Dollar
Investoren ziehen massiv Kapital aus Private-Credit-Fonds ab – allein im zweiten Quartal wurden Rücknahmen von rund 12 Milliarden Dollar beantragt.

Privatanleger erhöhen den Druck auf die Private-Credit-Branche erheblich. Im zweiten Quartal wurden bei vier großen Kreditfonds – darunter Fonds von Blackstone und BlackRock – Rücknahmeanträge in Höhe von rund 12 Milliarden US-Dollar gestellt. Das geht aus Daten der Investmentbank Robert A. Stanger & Co. hervor. Im Vorquartal hatte das Volumen der Rücknahmeanträge noch bei 7,7 Milliarden Dollar gelegen.
Der sprunghafte Anstieg verschärft den Druck auf einen Sektor, der bereits mit nachlassender Mittelbeschaffung und Kapitalabflüssen zu kämpfen hat. Die Turbulenzen halten damit seit mehreren Monaten an – und zwingen Führungskräfte der Branche dazu, Anleger zu beruhigen und die Lage zu erklären.
Branchenvertreter verteidigen Private Credit
Trotz der Abflüsse zeigen sich führende Vertreter der Branche zuversichtlich. Blackstone-Präsident Jonathan Gray äußerte sich diesen Monat auf einer Konferenz klar: „Ich glaube, die Unkenrufer, die den Untergang von Private Credit heraufbeschwören, werden enttäuscht sein." Gray betonte, dass eine Finanzkrise nicht unmittelbar bevorstehe. Zwar müssten einige Fonds Verluste hinnehmen, doch die Nachfrage der Anleger bleibe stark, da die Renditen höher seien als an den öffentlichen Anleihemärkten.
Führungskräfte der Branche argumentieren zudem, dass Anleger auf vereinzelte Verluste und eine Vielzahl beunruhigender Schlagzeilen überreagieren würden. Private Credit – also die direkte Kreditvergabe durch nicht-börsennotierte Fonds an Unternehmen, abseits des klassischen Bankensystems – hatte in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebt und galt als attraktive Renditequelle in einem Niedrigzinsumfeld.
Weitere Auswertungen stehen noch aus
Ein vollständigeres Bild der Lage wird sich zeigen, wenn weitere große Anbieter ihre Quartalszahlen vorlegen. Apollo Global Management, Ares Management und Blue Owl Capital werden im weiteren Verlauf dieses Monats die Rücknahmeanträge ihrer Aktionäre auswerten. Deren Ergebnisse dürften weiteren Aufschluss darüber geben, wie breit die Abflüsse über den Sektor verteilt sind.
Nicht alle Fonds sind gleichermaßen betroffen. Bei einem von Oaktree Capital Management verwalteten Fonds, der sich im Besitz von Brookfield befindet, verlangsamte sich das Tempo der Abhebungen sogar deutlich. Die Rücknahmeanträge sanken im zweiten Quartal auf rund 200 Millionen Dollar, was etwa 4,5 Prozent der Fondsanteile entspricht. Im Vorquartal hatte dieser Wert noch bei 400 Millionen Dollar beziehungsweise 8,5 Prozent gelegen – ein deutlicher Rückgang, der zeigt, dass die Entwicklung innerhalb der Branche nicht einheitlich verläuft.
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Zur AktienanalyseHintergrund: Was ist Private Credit?
Private Credit bezeichnet Kreditvergabe durch institutionelle Investoren und spezialisierte Fonds, die nicht über öffentliche Kapitalmärkte oder Banken abgewickelt wird. Für Anleger war diese Anlageklasse in den vergangenen Jahren besonders attraktiv, weil sie höhere Renditen als klassische Anleihen versprach. Gleichzeitig sind solche Fonds weniger liquide – Anleger können ihr Kapital nicht jederzeit frei abziehen, sondern müssen Rücknahmeanträge stellen, die oft nur quartalsweise bearbeitet werden.
Genau diese eingeschränkte Liquidität macht die aktuelle Rücknahmewelle besonders bedeutsam. Wenn viele Anleger gleichzeitig aussteigen wollen, geraten Fondsmanager unter Druck, Vermögenswerte zu verkaufen oder Rücknahmen zu begrenzen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich der Trend weiter beschleunigt oder ob die Beruhigungsversuche der Branchenvertreter Wirkung zeigen.


