Rücknahmewelle bei Private-Credit-Fonds nimmt deutlich zu
Anleger ziehen Kapital aus Private-Credit-Fonds ab – im zweiten Quartal stiegen die Rücknahmeanträge auf rund 12 Milliarden Dollar.

Privatanleger haben ihre Rücknahmeanträge bei großen Private-Credit-Fonds im zweiten Quartal 2025 deutlich beschleunigt. Laut Daten der Investmentbank Robert A. Stanger & Co. beliefen sich die Rücknahmeanträge bei vier großen Kreditfonds – darunter Fonds von Blackstone und BlackRock – auf rund 12 Milliarden US-Dollar. Im Vorquartal waren es noch 7,7 Milliarden Dollar.
Der sprunghafte Anstieg verschärft den Druck auf eine Branche, die ohnehin bereits mit nachlassender Mittelbeschaffung und Kapitalabflüssen zu kämpfen hat. Private Credit – also private Kreditvergabe außerhalb des regulären Bankensystems – galt lange als Boommarkt mit attraktiven Renditen für institutionelle und private Anleger. Nun mehren sich die Zeichen einer Trendwende.
Branche kämpft gegen Vertrauensverlust
Führungskräfte der Branche hatten in den vergangenen Monaten versucht, die Lage zu beruhigen. Sie argumentierten, Anleger würden auf vereinzelte Verluste und negative Schlagzeilen überreagieren. Doch die steigenden Rücknahmezahlen zeigen, dass diese Botschaft bislang nicht vollständig verfangen hat.
Blackstone-Präsident Jonathan Gray äußerte sich dennoch zuversichtlich. „Ich glaube, die Unkenrufer, die den Untergang von Private Credit heraufbeschwören, werden enttäuscht sein", sagte Gray diesen Monat auf einer Konferenz. Er betonte, dass keine Finanzkrise bevorstehe und die Nachfrage der Anleger grundsätzlich stark bleibe – schließlich lägen die Renditen im Private-Credit-Bereich weiterhin über jenen der öffentlichen Anleihemärkte.
Ein vollständigeres Bild der Lage dürfte sich in Kürze ergeben. Apollo Global Management, Ares Management und Blue Owl Capital werden im weiteren Verlauf des Monats die Rücknahmeanträge ihrer jeweiligen Aktionäre zusammenrechnen und veröffentlichen. Diese Zahlen werden zeigen, ob der Trend branchenweit anhält oder auf einzelne Anbieter beschränkt ist.
Oaktree als positives Gegenbeispiel
Nicht alle Fonds verzeichnen eine Verschlechterung. Bei einem von Oaktree Capital Management – einer Tochtergesellschaft von Brookfield – verwalteten Fonds verlangsamte sich das Tempo der Abflüsse spürbar. Die Rücknahmeanträge sanken im zweiten Quartal auf rund 200 Millionen Dollar, was etwa 4,5 Prozent der Fondsanteile entspricht. Im Vorquartal lagen diese Werte noch bei 400 Millionen Dollar beziehungsweise 8,5 Prozent.
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Zur AktienanalysePrivate Credit ist für viele deutsche Privatanleger ein vergleichsweise junges Anlagesegment. Dabei handelt es sich um Kredite, die nicht über Banken oder öffentliche Kapitalmärkte, sondern direkt von Fonds an Unternehmen vergeben werden. Die Anlageklasse versprach in den vergangenen Jahren überdurchschnittliche Renditen bei gleichzeitig geringer Volatilität – ein Versprechen, das nun auf dem Prüfstand steht.
Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen ein strukturelles Problem dieser Fonds: Anleger können ihr Kapital nicht jederzeit frei abziehen. Rücknahmen sind oft nur quartalsweise und in begrenztem Umfang möglich, was bei steigendem Rückgabedruck zu Engpässen führen kann. Wie die Branche mit dem wachsenden Rücknahmedruck umgeht, bleibt eine der zentralen Fragen der kommenden Monate.


