Rückversicherungstarife für Katastrophenschäden sinken zur Jahresmitte um 16%
Guy Carpenter meldet deutlichen Preisrückgang bei globalen Sach-Katastrophen-Rückversicherungen – Kapitalüberangebot und starker Rückversicherer-Appetit treiben Wettbewerb.

Die weltweiten Rückversicherungstarife für Sach-Katastrophenschäden sind zur Jahresmitte 2026 auf risikoadjustierter Basis um 16% gesunken. Das teilte der internationale Rückversicherungsmakler Guy Carpenter am Montag mit. Bereits zum 1. Januar hatte der Markt einen Rückgang von 12% verzeichnet – der Abwärtstrend setzt sich damit beschleunigt fort.
Als Hauptursache für die sinkenden Preise nennt Guy Carpenter das reichlich vorhandene Kapital im Markt sowie den gestiegenen Appetit der Rückversicherer auf neue Risiken. Beides zusammen sorgt für einen intensiven Wettbewerb und drückt die Preisgestaltung nach unten. Für Zedenten – also die Erstversicherer, die Risiken an Rückversicherer weitergeben – bedeutet dies günstigere Konditionen beim Einkauf von Rückversicherungsschutz.
„Unter den aktuellen Marktbedingungen haben sich die Zedenten wettbewerbsfähige Preise und Konditionen für ihre Rückversicherungsprogramme gesichert", sagte Dean Klisura, Chief Executive von Guy Carpenter. Er betonte zudem, dass Käufer verstärkt alternative Optionen prüften, um den traditionellen Schutz zu ergänzen.
Katastrophenanleihen und alternative Deckungsformen auf dem Vormarsch
Ein auffälliger Trend der aktuellen Erneuerungsrunde ist die wachsende Nutzung alternativer Risikoübertragungsinstrumente. Zedenten greifen laut Guy Carpenter zunehmend auf parametrische Deckungen und sogenannte Sidecars zurück, um ihre traditionellen Katastrophenprogramme zu ergänzen. Parametrische Versicherungen zahlen dabei nicht auf Basis tatsächlicher Schäden, sondern bei Erreichen vorher definierter Auslöser wie Windgeschwindigkeiten oder Erdbebenstärken.
Besonders robust zeigte sich der Markt für Katastrophenanleihen, sogenannte Cat Bonds. Im ersten Halbjahr 2026 wurde ein ausstehendes Limit von über 61 Milliarden US-Dollar verzeichnet. Diese Instrumente ermöglichen es Versicherern, Katastrophenrisiken direkt an den Kapitalmarkt weiterzugeben und gewinnen als Ergänzung zum traditionellen Rückversicherungsschutz zunehmend an Bedeutung.
Spezialsparten und geopolitische Risiken im Fokus
Auch die Erneuerungen in der Spezialrückversicherung folgten einem ähnlichen Muster wie der Katastrophenbereich. Im Transportbereich (Marine) zeichnet sich jedoch eine Besonderheit ab: Die Schadenentwicklung aus dem Einsturz der Francis Scott Key Bridge in Baltimore im Jahr 2024 dürfte laut Guy Carpenter die Erneuerungen in diesem Segment im Jahr 2027 spürbar beeinflussen. Die Haftpflichtversicherung zeigte sich dagegen gemischter, geprägt von individueller Schadenerfahrung und sich verändernden Marktstrukturen.
Geopolitische Spannungen rund um die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine hinterlassen ebenfalls ihre Spuren im Rückversicherungsmarkt. Guy Carpenter berichtet, dass diese Unsicherheiten zu neuen strukturierten Quotenrückversicherungsprodukten sowie zu Konsortialkapazitäten für knappe Spezialrisiken geführt haben. Versicherer und Rückversicherer reagieren damit auf die gestiegene Nachfrage nach Deckung in politisch sensiblen Regionen.
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Zur AktienanalyseVenezuela-Erdbeben offenbart massive Versicherungslücke
Ein akutes Schadenereignis rückt ebenfalls in den Fokus der Branche: Die Erdbeben in Venezuela vom 24. Juni haben laut Guy Carpenter weitreichende Verwüstungen angerichtet. Aufgrund der geringen Versicherungsdichte in dem Land sowie der geschwächten Wirtschaft dürften die Beben eine erhebliche Versicherungslücke offenlegen.
Die wirtschaftlichen Schäden könnten nach Einschätzungen des Maklers und Schätzungen des US Geological Survey (USGS) die Marke von 10 Milliarden US-Dollar überschreiten. Da ein Großteil dieser Schäden nicht versichert ist, werden die Kosten vorwiegend von der venezolanischen Bevölkerung und dem Staat getragen – ein in Schwellenländern leider häufig beobachtetes Muster bei Naturkatastrophen.


