Ruger-CEO Seyfert nach Einigung mit Beretta: Was kommt jetzt?
Nach monatelangem Stimmrechtsstreit mit dem italienischen Waffenhersteller Beretta blickt Ruger-Chef Todd Seyfert nach vorne.

Der amerikanische Waffenhersteller Sturm, Ruger & Co. hat nach einem zermürbenden Machtkampf mit dem italienischen Traditionsunternehmen Beretta eine Einigung erzielt. Der Streit, der sich über Monate hinzog und zahllose Transatlantikflüge, eine sogenannte Giftpille sowie den Einsatz zahlreicher Anwälte auf beiden Seiten erforderte, ist damit vorerst beigelegt. Im Mittelpunkt des Konflikts standen Stimmrechte und die Frage, welchen Einfluss Beretta auf das börsennotierte US-Unternehmen ausüben darf.
CEO Todd Seyfert, der sein Amt erst seit Kurzem innehat, zeigte sich nach der Einigung gelassen und zuversichtlich. „Die gute Nachricht ist, dass wir Zeit haben", sagte Seyfert am Donnerstag in einem Interview. „Wir befinden uns noch in einem frühen Stadium des Prozesses." Der Kommentar deutet darauf hin, dass Seyfert die Einigung nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt für die weitere strategische Entwicklung von Ruger betrachtet.
Beretta sichert sich Einfluss im Aufsichtsgremium
Ein zentrales Element der Vereinbarung ist die Zusicherung von zwei Sitzen im Board of Directors für Beretta. Damit erhält der italienische Waffenhersteller eine formelle Stimme in der Unternehmensführung von Ruger. Für deutsche Anleger ist dies ein bekanntes Instrument: Boardsitze gelten in der angelsächsischen Unternehmenskultur als wichtiges Mittel zur Einflussnahme auf die strategische Ausrichtung eines Unternehmens, vergleichbar mit Aufsichtsratsmandaten im deutschen Modell.
Bemerkenswert ist der Einsatz einer sogenannten Giftpille im Verlauf des Konflikts. Dieses Abwehrinstrument – im Fachjargon auch „Poison Pill" genannt – wird von Unternehmen eingesetzt, um feindliche Übernahmen oder unerwünschte Einflussnahmen durch Großaktionäre zu erschweren. Es erlaubt bestehenden Aktionären, neue Anteile zu vergünstigten Konditionen zu erwerben, wodurch der Anteil des unerwünschten Investors verwässert wird. Die Tatsache, dass Ruger dieses Mittel einsetzte, unterstreicht, wie ernst der Konflikt mit Beretta zeitweise war.
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Zur AktienanalyseSturm, Ruger & Co. ist einer der bekanntesten amerikanischen Waffenhersteller und an der New Yorker Börse unter dem Kürzel RGR gelistet. Das Unternehmen produziert Pistolen, Revolver und Gewehre und ist vor allem im US-amerikanischen Zivilmarkt stark vertreten. Beretta hingegen ist ein italienisches Familienunternehmen mit einer über 500-jährigen Geschichte und zählt zu den ältesten Waffenherstellern der Welt. Beretta beliefert unter anderem das US-Militär und zahlreiche Strafverfolgungsbehörden weltweit.
Der nun beigelegt Stimmrechtsstreit zwischen den beiden Unternehmen hatte die Branche aufmerksam verfolgt. Für Ruger-Aktionäre stellt die Einigung zunächst eine Stabilisierung der Lage dar. Wie sich die Präsenz von Beretta im Board langfristig auf die Unternehmensstrategie auswirken wird, bleibt abzuwarten. CEO Seyfert signalisiert jedoch, dass er die Situation unter Kontrolle hat und den nächsten Schritten mit Bedacht begegnen will.

