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Russland senkt Wachstumsprognose 2026 drastisch auf 0,4 Prozent

Moskau revidiert BIP-Prognose für 2026 von 1,3% auf 0,4% – Vizepremier Nowak spricht von normaler Korrekturphase.

Russland senkt Wachstumsprognose 2026 drastisch auf 0,4 Prozent

Russland hat seine Wachstumsprognose für das Jahr 2026 erheblich nach unten korrigiert. Das Wirtschaftsministerium senkte die erwartete BIP-Wachstumsrate von zuvor 1,3% auf nur noch 0,4%, wie der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Nowak in einem Interview mit der russischen Tageszeitung Wedomosti erklärte. Auch die Prognosen für die Folgejahre wurden deutlich zurückgenommen.

Für 2027 erwartet das Ministerium nun ein Wachstum von 1,4% statt der bisher prognostizierten 2,8%. Für 2029 wird ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 2,4% erwartet. Nowak begründete die Revisionen mit einer natürlichen wirtschaftlichen Abkühlungsphase nach den starken Wachstumsjahren 2023 und 2024.

„Die wirtschaftliche Dynamik ist zyklisch. Nach einer Phase hohen Wachstums folgt immer eine Korrektur, die oft mit einer strukturellen Transformation einhergeht. Dies ist eine normale Phase für die Wirtschaft", sagte Nowak. Er betonte zugleich, dass sich die russische Wirtschaft in einem Umfeld „beispiellosen Sanktionsdrucks" entwickle.

Erster Quartalsrückgang seit Anfang 2023

Russlands Wirtschaft, die auf rund drei Billionen US-Dollar geschätzt wird, schrumpfte im ersten Quartal um 0,3%. Dies markiert den ersten vierteljährlichen Rückgang seit Anfang 2023. Als Ursachen gelten Steuererhöhungen zu Beginn des Jahres sowie tiefe Preisnachlässe auf russisches Öl infolge westlicher Sanktionen. Viele Analysten führen das Wachstum der Vorjahre maßgeblich auf die massiv gestiegenen Militärausgaben im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg zurück.

Trotz des jüngsten Anstiegs der Weltmarktölpreise – ausgelöst durch den Krieg im Nahen Osten – beließ das Wirtschaftsministerium seinen prognostizierten Ölpreis unverändert. Als Grundlage für die Berechnung der Haushaltseinnahmen im Jahr 2026 wird ein Ölpreis von 59 US-Dollar pro Barrel angesetzt. Für die darauffolgenden drei Jahre wird ein Preis von 50 US-Dollar pro Barrel erwartet.

Dieser sogenannte „Cut-off"-Preis bestimmt, welcher Anteil der staatlichen Öleinnahmen in den Nationalen Wohlfahrtsfonds – Russlands fiskalische Reserve – fließt. Nowak verteidigte die konservative Schätzung ausdrücklich: „Es ist wichtig, weiterhin eine pragmatische und konservative Politik zu verfolgen. Die Krise schafft Bedingungen für steigende Exporterlöse aus Öl und Gas sowie verschiedenen anderen Gütern. Dieser Effekt ist jedoch nicht langfristig."

Putin fordert Wachstumsbelebung

Politisch steht die russische Regierung unter Druck. Präsident Wladimir Putin hatte im vergangenen Jahr gefordert, dass das Wirtschaftswachstum im Jahr 2026 wieder anzieht. Im vergangenen Monat rügte er hochrangige Beamte wegen der Wachstumsverlangsamung und wies sie an, neue Wege zur Stützung der Wirtschaft zu finden.

Nowak versicherte, die Regierung arbeite systematisch daran, die Wirtschaft auf einen nachhaltigen langfristigen Wachstumspfad zurückzuführen. Das erklärte Ziel sei es, die globale Durchschnittsrate zu erreichen oder zu übertreffen und gleichzeitig die nationalen Entwicklungsziele zu verwirklichen. Ob dies angesichts anhaltender Sanktionen, hoher Zinssätze und der Belastungen durch den Ukraine-Krieg gelingt, bleibt für Beobachter fraglich.

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