Russland und USA führen Gespräche über Energie und Wirtschaft fort
Trotz stockender Ukraine-Friedensverhandlungen laufen bilaterale Gespräche zwischen Moskau und Washington auf mehreren Ebenen weiter.

Russlands Sonderbeauftragter Kirill Dmitrijew hat bestätigt, dass die Gespräche zwischen Russland und den USA über Wirtschafts- und Energiefragen trotz einer Unterbrechung der Ukraine-Friedensverhandlungen fortgesetzt werden. Dmitrijew erklärte am Donnerstag am Rande der größten Wirtschaftskonferenz Russlands gegenüber Reuters, dass er am Vortag noch mit US-Gesprächspartnern gesprochen habe. Die Kontakte zwischen Moskau und Washington laufen damit auf verschiedenen Ebenen weiter.
„Wir haben gestern mit Steve Witkoff und Jared Kushner gesprochen. Der Dialog geht also weiter, und es findet eine ständige Kommunikation statt", sagte Dmitrijew mit Blick auf die beiden US-Unterhändler. Witkoff und Kushner gelten als zentrale Figuren in den Verhandlungen der Trump-Regierung mit Russland. Dmitrijew hatte sich zuletzt im April persönlich mit beiden getroffen.
Der Kreml hatte am 18. Mai erklärt, dass der Friedensprozess zwischen Russland und der Ukraine vorerst ausgesetzt sei, Moskau jedoch mit einer Wiederaufnahme rechne. Das letzte direkte Gespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin fand am 29. April statt, als beide einen vorübergehenden Waffenstillstand anlässlich des Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs erörterten.
Militärische Eskalation trotz Diplomatie
Seit dem kurzen Waffenstillstand haben sich die militärischen Aktionen auf beiden Seiten verschärft. Russland hat Kiew und andere ukrainische Städte mit Drohnen und Raketen angegriffen, während die Ukraine ihrerseits Raffinerien, Häfen und andere Industriestandorte tief im russischen Hinterland unter Beschuss genommen hat. Die Lage auf dem Schlachtfeld steht damit in deutlichem Widerspruch zu den diplomatischen Signalen.
Der von den USA vermittelte Friedensprozess war bei Gesprächen in Riad im Februar des Vorjahres eingeleitet worden. Ins Stocken geraten ist er vor allem wegen eines Teils der Region Donbass, der noch immer von der Ukraine kontrolliert wird. Moskau fordert dessen Übergabe als Bedingung für eine Einigung – ein Punkt, der bislang unüberbrückbar scheint.
Dmitrijew betonte, dass nicht alle Kontakte zwischen Russland und den USA mit der Ukraine zusammenhingen. Beide Seiten würden die Diskussionen über Energie, Wirtschaft und globale Stabilität fortsetzen. Auf die Frage nach möglichen trilateralen Gesprächen unter Einbeziehung der Ukraine zeigte sich Dmitrijew grundsätzlich offen.
Russisches Öl und Sanktionsausnahmen im Fokus
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Zur Aktienanalyse„Und wenn der Zeitpunkt reif ist, wird es meines Erachtens auch eine Gelegenheit für trilaterale Gespräche geben, aber das findet eher auf diplomatischer Ebene statt", so Dmitrijew. Eine konkrete Zeitplanung nannte er dabei nicht.
Ein zentrales Thema der bilateralen Gespräche ist die Frage der Sanktionsausnahmen für russisches Öl. Die USA verlängerten am 18. Mai zum dritten Mal eine 30-tägige Ausnahmeregelung, die den Kauf von russischem Öl auf dem Seeweg erlaubt. Diese Regelung soll „energiegefährdeten" Ländern helfen, die vom Iran-Krieg betroffen sind. Dmitrijew war nach eigenen Angaben an den Gesprächen über frühere Verlängerungen beteiligt.
„Die bisherigen Verlängerungen der Ausnahmeregelungen waren gut für die Märkte. Ich denke, die US-Regierung versteht, dass es ohne russisches Öl und ohne russisches Gas unmöglich ist, Stabilität auf den Energiemärkten zu gewährleisten", sagte Dmitrijew. Ob die Ausnahmeregelung in diesem Monat erneut verlängert wird, wollte er nicht kommentieren. Für internationale Energiemärkte und deutsche Anleger bleibt die Frage der Versorgungssicherheit damit weiterhin ein zentrales Beobachtungsfeld.

