Russlands Zentralbank drosselt Devisenverkäufe im zweiten Halbjahr 2026
Die russische Zentralbank reduziert ihre täglichen Devisenverkäufe drastisch – ein Signal für weniger Rubelstützung.

Die russische Zentralbank hat am Montag eine deutliche Reduzierung ihrer täglichen Devisenverkäufe für die zweite Jahreshälfte 2026 angekündigt. Statt bisher 4,62 Milliarden Rubel täglich werden künftig nur noch 0,58 Milliarden Rubel (umgerechnet rund 7,37 Millionen US-Dollar) am Markt verkauft. Dieser Schritt bedeutet eine spürbare Verringerung der staatlichen Unterstützung für den russischen Rubel.
Die Devisengeschäfte der Zentralbank sind für den russischen Währungsmarkt von erheblicher Bedeutung: Sie machen bis zu einem Zehntel des gesamten russischen Devisenhandelsvolumens aus. Die Operationen umfassen dabei sowohl die Eigen-Transaktionen der Bank als auch separate Interventionen, die im Auftrag des russischen Finanzministeriums für die fiskalische Reserve des sogenannten Nationalen Wohlfahrtsfonds durchgeführt werden.
Budgetregel und Nationaler Wohlfahrtsfonds
Das russische Finanzministerium erwirbt Devisen für diesen Fonds im Rahmen der sogenannten „Budgetregel". Diese Regel sieht vor, dass bei hohen Ölpreisen Fremdwährungsreserven aufgebaut werden, um den staatlichen Reservefonds aufzufüllen. Russische Beamte haben jedoch angedeutet, dass die aktuelle Phase hoher Ölpreise möglicherweise nicht von Dauer sein wird – was Bemühungen zur Stärkung der fiskalischen Lage des Landes ausgelöst hat.
Parallel zur Reduzierung der Devisenverkäufe plant die Zentralbank zwischen dem 1. und 6. Juli in Kombination mit den Operationen des Finanzministeriums Devisenkäufe in Höhe von insgesamt 9,34 Milliarden Rubel pro Tag – gegenüber aktuell 5,28 Milliarden Rubel. Das Finanzministerium will sein neues operatives Volumen am 3. Juli bekanntgeben.
Rubel unter Druck – Öl als entscheidender Faktor
Der Rubel steht bereits unter erheblichem Druck: In der vergangenen Woche verlor die russische Währung gegenüber dem US-Dollar rund 8 Prozent an Wert. Auslöser war ein Rückgang der weltweiten Ölpreise. Öl bleibt Russlands wichtigstes Exportgut und damit der zentrale Treiber für die Einnahmen des Staatshaushalts sowie die Stabilität des Rubels.
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Zur AktienanalyseViele Analysten sehen den Rubel als überbewertet an. Auch aus der russischen Wirtschaft mehren sich die Stimmen, die die Behörden auffordern, eine kontrollierte Währungsabwertung zuzulassen. Eine schwächere Währung würde die Exporterlöse der russischen Unternehmen in Rubel erhöhen und damit sowohl die Einnahmen der Exporteure als auch die Steuereinnahmen des Staates steigern.
Die Entscheidung der Zentralbank sendet damit ein klares Signal: Moskau ist bereit, den Rubel stärker den Marktkräften zu überlassen – zumindest solange die Ölpreise unter Druck stehen und fiskalische Reserven geschont werden müssen. Für internationale Beobachter und Anleger, die russische Märkte verfolgen, bleibt die Entwicklung der Ölpreise damit der entscheidende Indikator für die künftige Rubelstabilität.

