Ryanair erweitert Angebot an deutschen Regionalflughäfen
Trotz hoher Gebühren plant die Airline ehrgeizige Wachstumsziele und neue Strecken

Die irische Fluggesellschaft Ryanair plant, ihr Angebot in Deutschland auszubauen, trotz angekündigter Kürzungen an größeren Flughäfen. Das Unternehmen will sich künftig stärker auf Regionalflughäfen wie Bremen, Lübeck und Baden-Baden konzentrieren. Im Sommerflugplan sollen an diesen Standorten 800.000 zusätzliche Sitzplätze angeboten und 14 neue Strecken eingeführt werden. Darüber hinaus plant Ryanair, zwei weitere Flugzeuge in Deutschland zu stationieren. An großen Flughäfen wie Berlin wird das Angebot jedoch reduziert, wobei etwa 1,8 Millionen Sitzplätze aus dem Programm genommen werden.
Eddie Wilson, der Chef der Marke Ryanair, erklärte, dass Deutschland für die Wachstumspläne der Airline von zentraler Bedeutung sei. Mittelfristig könnte die Passagierzahl von derzeit 17 Millionen auf 34 Millionen jährlich verdoppelt werden, vorausgesetzt, die Standortkosten würden wettbewerbsfähiger gestaltet. Wilson forderte Verkehrsminister Volker Wissing auf, Maßnahmen zur Senkung der Gebühren zu ergreifen. Diese beinhalten unter anderem die Luftverkehrsabgabe, Gebühren für Flugsicherung und Sicherheitskontrollen, die nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) stark gestiegen sind. Für einen Flug von Stuttgart zu einem europäischen Ziel belaufen sich die staatlichen Gebühren mittlerweile auf 4926 Euro, ein Anstieg um 143 Prozent im Vergleich zu 2019.
Trotz dieser Herausforderungen hat Ryanair ehrgeizige Wachstumsziele. Bis März 2034 plant die Airline, ihre Flotte von derzeit 584 auf 800 Flugzeuge zu erweitern. Im letzten Geschäftsjahr transportierte Ryanair 184 Millionen Passagiere, diese Zahl soll bis 2034 auf 300 Millionen steigen. Der Marktanteil der Airline in Deutschland liegt derzeit bei rund zehn Prozent, während er in Irland 60 Prozent und in Italien fast 40 Prozent erreicht.
Die hohen Gebühren haben nicht nur Auswirkungen auf Ryanair, sondern auch auf andere Fluggesellschaften wie Lufthansa und ihre Tochter Eurowings. Beide Unternehmen haben Strecken gestrichen oder die Flugfrequenz reduziert. Easyjet und Wizz Air haben ebenfalls Anpassungen an ihren Flugplänen vorgenommen. Innerdeutsche Verbindungen werden inzwischen fast ausschließlich von der Lufthansa-Gruppe bedient, auch hier mit reduziertem Angebot. Besonders betroffen sind Flughäfen wie Paderborn und Leipzig, wo Zubringerflüge gestrichen wurden.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseLufthansa-Chef Carsten Spohr betonte die negativen Folgen der steigenden Standortkosten. Er wies darauf hin, dass wirtschaftlich unrentable Strecken zunehmend aus dem Programm genommen werden, was die Anbindung vieler deutscher Regionen verschlechtert. Die Luftverkehrsbranche steht damit vor der Herausforderung, wirtschaftliche Effizienz mit wachsendem Kostendruck in Einklang zu bringen.

