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Ryanair verschärft Kontrollen beim Handgepäck

Gewerkschaft und Verbraucherschützer warnen vor Konflikten und rechtlichen Problemen

Ryanair verschärft Kontrollen beim Handgepäck

Ryanair will die Kontrollen beim Handgepäck deutlich verschärfen und setzt dabei auf finanzielle Anreize für das Bodenpersonal. Künftig sollen die Beschäftigten mehr Geld erhalten, wenn sie bei Passagieren übergroße oder zu schwere Taschen entdecken. Laut Unternehmenschef Michael O’Leary steigt die Prämie von bisher 1,50 Euro auf 2,50 Euro pro Fall. Außerdem wird die Zahlung nicht länger monatlich begrenzt sein. Für betroffene Fluggäste bedeutet dies zusätzliche Kosten, da bei Verstößen hohe Gebühren für das Aufgeben von Handgepäck fällig werden.

Die Airline begründet die neuen Maßnahmen mit dem Ziel, den Boarding-Prozess zu beschleunigen und Verzögerungen zu vermeiden. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers soll die „Geißel der übergroßen Gepäckstücke“ beseitigt werden, da diese das Einsteigen verzögerten und für die Mehrheit der Passagiere, die sich an die Regeln hielten, unfair seien. Ryanair betont, dass sämtliches Handgepäck vor dem Start sicher in der Kabine verstaut sein müsse und große oder zusätzliche Gepäckstücke die Abläufe erheblich stören könnten.

Kritik an der verschärften Regelung kommt von der deutschen Flugbegleitergewerkschaft Ufo. Ihr Vorsitzender Joachim Vazquez Bürger warnt, die Maßnahmen könnten die Stimmung zwischen Personal und Passagieren schon vor dem Abflug belasten. Wenn ohnehin gestresste Reisende durch zusätzliche Kontrollen und Gebühren konfrontiert würden, entstehe leicht Konfliktpotenzial. Bürger sprach in diesem Zusammenhang von einer erhöhten Gefahr sogenannter „unruly passengers“, also von Fluggästen, die sich durch unangemessenes Verhalten negativ auf die Sicherheit an Bord auswirken.

Ryanair verfolgt bei Zwischenfällen eine strikte Linie und verlangt nach eigenen Angaben von Störern eine Strafe von 500 Euro pro Fall. Zudem hat die Gesellschaft bereits für Alkoholverbote an Flughäfen plädiert, um Eskalationen vorzubeugen. Damit will das Unternehmen sein Personal entlasten und Vorfälle an Bord reduzieren.

Wie bei anderen Billigfluglinien gilt bei Ryanair im günstigsten Tarif nur ein kleines Handgepäckstück als kostenlos, das unter den Sitz passen muss. Koffer im Handgepäckformat können nur gegen Aufpreis mitgenommen werden. Dieses Vorgehen ist bereits Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat im August Klagen gegen mehrere Airlines eingereicht. Er sieht in den zusätzlichen Gebühren einen Verstoß gegen EU-Recht, da Fluggesellschaften verpflichtet seien, angemessenes Handgepäck ohne Extrakosten zu befördern.

Während Ryanair seine Maßnahmen verschärft, verfolgen andere Airlines eine andere Praxis. Die Lufthansa etwa betont, dass ihr Bodenpersonal keine Prämien für das Aufspüren von übergroßem Handgepäck erhalte. Vielmehr werde versucht, mögliche Probleme frühzeitig und einvernehmlich zu lösen. Easyjet verweist darauf, dass das Personal an den Gates und Gepäckkontrollen nicht direkt bei der Airline beschäftigt sei.

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