Sachversicherer entdecken Private Assets trotz wachsender Skepsis anderer Investoren
Während Pensionskassen und Stiftungen aus Private Equity aussteigen, investieren Sachversicherer verstärkt in alternative Anlagen.

Sachversicherer – also Wohngebäude- und Kfz-Versicherer – drängen zunehmend in private Kapitalanlagen wie Private Equity und Hedgefonds. Sie folgen damit anderen finanzstarken Institutionen wie Lebensversicherungsgesellschaften und Universitätsstiftungen, stoßen jedoch vergleichsweise spät zu dieser Anlageklasse. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: Genau dann, wenn viele andere institutionelle Investoren beginnen, an der Attraktivität dieser Investments zu zweifeln.
Laut Untersuchungen von S&P Global Market Intelligence hielten große Versicherer wie Allstate, Liberty Mutual und Nationwide im vergangenen Jahr mindestens 15 % ihrer Bestände in alternativen Anlagen. Andere namhafte Versicherer wie The Hartford Insurance Group, Chubb und USAA halten zwar einen geringeren Anteil, doch dieser hat sich im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdoppelt – so das Ergebnis von S&P-Global-Analyst Tim Zawacki.
Gegenläufige Bewegung am Markt
Der Vorstoß der Sach- und Haftpflichtversicherer in alternative Anlagen vollzieht sich zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für diese Anlageklasse. Viele Pensionskassen und Stiftungen hinterfragen derzeit, ob Private-Equity-Fonds künftig noch so attraktive Renditen erzielen können wie in den vergangenen Jahrzehnten. Einige institutionelle Investoren haben sogar versucht, ihre Fondsanteile mit einem Abschlag auf dem Sekundärmarkt zu veräußern – ein deutliches Zeichen für schwindendes Vertrauen.
Für Sachversicherer sind Investments in private, illiquide Fonds mit besonderen Risiken verbunden. Illiquidität bedeutet, dass Anleger ihre Positionen nicht jederzeit zu Geld machen können. Das ist für Sachversicherer problematischer als für Lebensversicherer, da ihre Auszahlungen an Versicherungsnehmer deutlich schwerer planbar sind.
Warum das Risiko für Sachversicherer besonders hoch ist
Lebensversicherer können ihre Verbindlichkeiten auf Basis von Sterblichkeitsstatistiken langfristig kalkulieren. Sachversicherer hingegen sind unvorhersehbaren Ereignissen ausgesetzt: Ein besonders schweres Hurrikan- oder Waldbrandjahr kann sie zwingen, innerhalb kurzer Zeit enorme Summen zur Schadensregulierung auszuzahlen. Genau dann könnten illiquide Anlagen zum Problem werden, wenn schnell Liquidität benötigt wird.
Dennoch sehen viele Sachversicherer die Chancen als überzeugend an. Analyst Meyer Shields von Keefe, Bruyette & Woods erklärt, dass Versicherer stets auf der Suche nach renditestärkeren Anlagen sind. Einige erfolgreiche Jahre hätten sie dazu ermutigt, aggressiver zu investieren und ihre Gewinne weiter zu steigern.
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Zur AktienanalyseStarke versicherungstechnische Ergebnisse als Rückenwind
Die Branche befindet sich derzeit in einer komfortablen Ausgangslage. Laut S&P Global verzeichneten Sachversicherer in den Jahren 2024 und 2025 die besten versicherungstechnischen Ergebnisse des vergangenen Jahrzehnts. Höhere Selbstbeteiligungen und strengere Kriterien bei der Schadensregulierung führen zu weniger Auszahlungen – und damit zu mehr Kapital, das investiert werden kann.
Diese starke operative Basis gibt den Versicherern den finanziellen Spielraum, um höhere Risiken in ihren Anlageportfolios einzugehen. Ob die Wette auf Private Assets aufgeht, wird sich zeigen – zumal der Einstieg in einem Marktumfeld erfolgt, in dem andere erfahrene Investoren bereits wieder den Rückzug antreten.


