Sachverständigenrat senkt Wachstumsprognose wegen Energiepreisen und Nahostkonflikt
Deutschlands führende Wirtschaftsweisen erwarten 2025 nur noch 0,5% Wachstum – statt der zuvor prognostizierten 0,9%.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat seine Wachstumsprognose für Deutschland deutlich nach unten korrigiert. In seinem Frühjahrsgutachten für die Bundesregierung erwarten die Wirtschaftsweisen für das laufende Jahr nur noch ein Wachstum von 0,5%. Im November 2024 waren die Experten noch von 0,9% ausgegangen.
Als Hauptgründe für die Abwärtsrevision nennt das Gremium die Auswirkungen des Nahostkonflikts, gestiegene Energiepreise sowie die US-Handelspolitik. Diese Faktoren belasten die größte Volkswirtschaft Europas gleich auf mehreren Ebenen. Für das Jahr 2027 prognostiziert der Rat ein Wachstum von 0,8%.
Höhere Energiepreise drücken Kaufkraft und Konsum
Besonders besorgniserregend ist laut den Ökonomen die Wirkung der Energiepreise auf die privaten Haushalte. Höhere Energiekosten verringern die Kaufkraft der Verbraucher direkt und bremsen damit den privaten Konsum – eine der wichtigsten Säulen der deutschen Wirtschaftsleistung.
Die Inflation dürfte sich in diesem Zusammenhang spürbar erhöhen. Für 2025 rechnen die Wirtschaftsweisen mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2,2%. Im Jahr 2026 soll sie auf 3,0% steigen, bevor sie sich 2027 wieder auf 2,8% abschwächt.
Risikoszenario: Ölpreis bei 120 Dollar pro Barrel
In einem Risikoszenario zeichnen die Berater ein noch düstereres Bild. Sollten die Ölpreise auf 120 US-Dollar pro Barrel klettern und bis Oktober 2026 auf diesem hohen Niveau verharren, könnte sich das deutsche Wirtschaftswachstum im Jahr 2026 auf lediglich 0,2% verlangsamen. Für 2027 wären in diesem Szenario nur noch 0,5% Wachstum zu erwarten – bei gleichzeitig weiter steigender Inflation.
Dieses Szenario verdeutlicht die erhebliche Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von stabilen Energiemärkten. Gerade energieintensive Industrien wären von einem solchen Preisanstieg besonders hart getroffen.
Strukturelle Probleme als langfristige Belastung
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Zur AktienanalyseÜber die kurzfristigen Schocks hinaus warnt der Sachverständigenrat auch vor tiefergehenden strukturellen Problemen. Die anhaltende wirtschaftliche Schwäche Deutschlands spiegele eine geringere industrielle Wettbewerbsfähigkeit sowie demografischen Druck wider, so die Experten.
Diese strukturellen Herausforderungen sind nicht neu: Deutschland kämpft seit Jahren mit einem Fachkräftemangel, hohen Energiekosten im internationalen Vergleich und einem Investitionsrückstand in digitale Infrastruktur. Das Frühjahrsgutachten des Sachverständigenrats unterstreicht damit einmal mehr, dass die wirtschaftlichen Probleme des Landes weit über konjunkturelle Schwankungen hinausgehen.
Der Sachverständigenrat – im Volksmund auch „die fünf Wirtschaftsweisen" genannt – berät die Bundesregierung regelmäßig mit unabhängigen Gutachten zur wirtschaftlichen Lage Deutschlands. Seine Prognosen gelten als wichtiger Gradmesser für die wirtschaftspolitische Debatte im Land.


