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SADC-Region als Testfeld für Afrikas Mineralien-Industrialisierung

Die UN-Wirtschaftskommission für Afrika sieht die SADC-Region als strategisches Erprobungsfeld, um Mineralreichtum in echte Entwicklung umzuwandeln.

SADC-Region als Testfeld für Afrikas Mineralien-Industrialisierung

Die Nachfrage nach kritischen Mineralien für die Energiewende könnte sich unter Netto-Null-Szenarien bis 2030 mehr als verdreifachen. Afrika hält dabei rund 30 Prozent der weltweiten Reserven an diesen Schlüsselrohstoffen – darunter Kobalt, Kupfer, Graphit, Lithium, Mangan, Nickel, Platingruppenmetalle (PGM) und Seltenerdelemente. Die Region der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas (SADC) steht damit vor einer historischen Weichenstellung.

Claver Gatete, Exekutivsekretär der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Afrika (UNECA), bezeichnete die SADC-Region als „Testfeld für die strategische Entschlossenheit Afrikas, seine Zukunft durch bewusste Entscheidungen neu zu gestalten". Große Volkswirtschaften positionierten ihre Lieferketten bereits im Namen der Energiesicherheit neu – das schaffe ein enges Zeitfenster für konzertierte Aktionen, um zu verhindern, dass Afrikas Ressourcen erneut lediglich eine Wohlstandsquelle für andere Volkswirtschaften bleiben.

Mineralien prägen die SADC-Wirtschaft – aber kaum den Arbeitsmarkt

Mineralien tragen bereits heute etwa 10 Prozent zum BIP der SADC-Region bei, 25 Prozent zu den Exporten und 20 Prozent zu den Staatseinnahmen. Dennoch macht der Sektor nur 7 Prozent der direkten Beschäftigung aus. Dieses Ungleichgewicht verdeutlicht laut Gatete die dringende Notwendigkeit, zu einer mineralbasierten Industrialisierung und Wertschöpfung überzugehen, die größere Multiplikatoreffekte bei der Schaffung von Arbeitsplätzen bietet.

Die Region verfügt über eine außergewöhnliche Rohstoffbasis: Afrika produziert mehr als 77 Prozent des weltweiten Kobalts, 21 Prozent des natürlichen Graphits, 65 Prozent des Mangans und 83 Prozent der Platingruppenmetalle. Innerhalb der SADC nimmt die Demokratische Republik Kongo (DRK) eine marktbeherrschende Stellung bei Kobalt ein, Simbabwe verfügt über bedeutende Lithiumvorkommen, Südafrika über Platin und Mangan und Sambia über Kupfer.

Eine von der UNECA und ihren Partnern im Jahr 2021 in Auftrag gegebene Studie zeigt das konkrete Potenzial: Der Bau einer Anlage für Batterievorläuferstoffe mit einer Kapazität von 10.000 Tonnen in der DRK könnte etwa 39 Millionen US-Dollar kosten – rund dreimal weniger als in den USA. Gleichzeitig würden die Emissionen im Vergleich zu bestehenden Lieferketten über China reduziert. „Dies ist genau die Art von Gelegenheit, die Afrika ergreifen muss; nicht nur Erz exportieren, sondern höherwertige Güter produzieren", betonte Gatete.

Strukturelle Herausforderungen bremsen den Fortschritt

Um die Chancen des Sektors zu nutzen, muss die SADC-Region laut Gatete eine Reihe struktureller Herausforderungen bewältigen. Politische Diskrepanzen zwischen den Mitgliedsstaaten erschweren es der Region, als Handelsblock gemeinsam Investitionen anzuziehen. Qualifikationslücken begrenzen zusätzlich die Fähigkeit, in höherwertige Aktivitäten vorzustoßen. „Bleiben diese Einschränkungen ungelöst, werden weiterhin andere Länder die Gewinne abschöpfen", warnte der UNECA-Chef.

Als konkrete Maßnahmen empfiehlt Gatete unter anderem:

  • Ernsthaft in geologisches Wissen investieren, da Daten in der Rohstoffindustrie Macht bedeuten
  • Als Block agieren und einen regionalen Mineralien-Pakt entwickeln, der auf kontinentale Rahmenwerke abgestimmt ist
  • Lizenzgebührensysteme, Investitionsregeln und Local-Content-Anforderungen harmonisieren
  • Mineralverarbeitung mit sauberer, erneuerbarer Energie betreiben
  • Gezielte Qualifikationsprogramme für eine moderne, mineralbasierte Industriewirtschaft aufbauen

Als positives Beispiel verwies Gatete auf das jüngste Exportverbot für unverarbeitetes Lithium in Simbabwe und unverarbeitetes Kobalt in der DRK. Beide Maßnahmen hätten das Potenzial, die lokale Wertschöpfung gezielt zu fördern.

Gemeinschaften müssen vom Bergbau profitieren

Ein weiterer zentraler Punkt in Gatetes Forderungen betrifft die lokale Bevölkerung: Vereinbarungen über den Nutzen für die Gemeinschaft müssten zur Norm werden. Kapitalbeteiligungen, lokale Beschaffung, Qualifikationsentwicklung, Umweltkautionen und transparente Mechanismen zur Einnahmenaufteilung könnten dazu beitragen, dass die Vorteile des Bergbaus die Minen selbst überdauern. „Von den Gemeinschaften sollte nicht verlangt werden, die Kosten des Abbaus zu tragen, während andere die Erträge einstreichen", erklärte er.

Die Botschaft der UNECA ist klar: Ressourcenreichtum allein ist keine Garantie für eine tiefgreifende wirtschaftliche Transformation. Die SADC-Region hat die Rohstoffe, die die Welt für die Energiewende dringend benötigt – die entscheidende Frage ist, ob sie die politische Entschlossenheit aufbringt, diesmal mehr als nur den Rohstoff zu exportieren.

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