Sanofi entlässt CEO Hudson: Garijo übernimmt nach enttäuschendem Turnaround
Der französische Pharmakonzern trennt sich vorzeitig von seinem Chef. Die Merck-KGaA-Chefin soll es richten.

Der französische Pharmariese Sanofi vollzieht einen überraschenden Führungswechsel: CEO Paul Hudson muss nach sechsjähriger Amtszeit vorzeitig seinen Posten räumen. Das Unternehmen reagiert damit auf den stockenden Konzernumbau und eine Serie enttäuschender Studienergebnisse. Die Nachfolge tritt Belén Garijo an, derzeit Vorstandsvorsitzende des deutschen Pharmaherstellers Merck KGaA.
Die Aktie reagierte prompt auf die Nachricht: Die Sanofi-Papiere verloren am Donnerstag fast 6 Prozent. Analysten zeigten sich überrascht von der Personalie, da Garijo nicht zu den offensichtlichen Kandidaten für den Top-Job gezählt hatte. "Man kann wohl sagen, dass Belén angesichts der Tatsache, dass sie bei Merck KGaA wohl nie das Profil früherer Führungskräfte erreichte, auf vielen Shortlists für eine potenzielle Nachfolge nicht gestanden hätte", kommentierten die Analysten von Jefferies.
Hudson wurde nur zwei Monate vor der geplanten Verlängerung seines Vertrags aus dem Amt gedrängt. Der 58-Jährige hatte erst Ende Januar in einer Analystenkonferenz eingeräumt, dass seine Umbaupläne nicht so schnell vorankamen wie erhofft. "Hätten Sie mich im Jahr 2020 gefragt, ob ein Turnaround bei Sanofi zwischen fünf und sieben Jahren dauern wird, hätte ich gesagt: absolut nicht", so Hudson damals.
Aktie unter Druck durch Pipeline-Probleme
Die Bilanz seiner Amtszeit fällt durchwachsen aus: Zwar erzielten Aktionäre seit seinem Amtsantritt im September 2019 eine Rendite von 33 Prozent inklusive Dividenden. Doch die Konkurrenz schnitt deutlich besser ab – AstraZeneca kam auf 133 Prozent, GSK auf 65 Prozent. Die Sanofi-Aktie verlor allein im vergangenen Jahr rund 25 Prozent und blieb damit deutlich hinter dem europäischen STOXX-Pharma-Index zurück.
Ein Hauptproblem bleibt die starke Abhängigkeit vom Blockbuster-Medikament Dupixent. Das Asthmamittel, das auch gegen Ekzeme eingesetzt wird, verliert Anfang der 2030er Jahre wichtige Patente. Ein Nachfolgeprodukt mit vergleichbarem Umsatzpotenzial fehlt bislang. Hudson hatte versucht, durch gezielte Zukäufe neue Wachstumstreiber zu finden, doch die Medikamentenentwicklung enttäuschte. "Die letzte Komponente der F&E-Sanierung ist noch in Arbeit", konstatierte Berenberg-Analystin Luisa Hector.
Zusätzlichen Druck erzeugte das wichtige Impfstoffgeschäft. Für 2026 prognostiziert Sanofi einen "leicht negativen" Impfstoffabsatz, was teilweise auf politische Änderungen in den USA unter Präsident Donald Trump zurückgeführt wird. Der Konzern zählt zu den weltweit größten Impfstoffherstellern.
Erfahrene Managerin übernimmt
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Zur AktienanalyseDie 65-jährige Spanierin Garijo bringt umfangreiche Branchenerfahrung mit: Sie arbeitete 15 Jahre für Sanofi und sitzt im Verwaltungsrat des französischen Kosmetikkonzerns L'Oreal. "Sie verfügt über die Erfahrung und das Profil, um das Tempo zu beschleunigen, die Qualität der Strategieumsetzung zu stärken und den nächsten Wachstumszyklus des Unternehmens zu leiten", begründete Verwaltungsratschef Frederic Oudea die Entscheidung.
Hudson scheidet am 17. Februar aus, während Garijo das Amt am 29. April nach der Hauptversammlung übernimmt. In der Übergangsphase fungiert Verwaltungsratsmitglied Olivier Charmeil als amtierender CEO. Der Wechsel reiht sich ein in eine Serie von Führungswechseln bei europäischen Pharmakonzernen – zuletzt gab es Rochaden bei GSK im Januar und bei Novo Nordisk im August 2025.

