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SAP erneut unter Druck

US-Klage wirft dem Konzern systematischen Zugriff auf o9-Daten vor

SAP erneut unter Druck

SAP sieht sich in den USA einem weiteren Rechtsstreit gegenüber. Der amerikanische Softwarehersteller o9 wirft dem deutschen DAX-Konzern vor, in großem Umfang Geschäftsgeheimnisse entwendet zu haben, um die eigene Wettbewerbsposition zu stärken. Die Vorwürfe gehen aus einer Klageschrift hervor, die bei einem Bundesgericht in Dallas im Bundesstaat Texas eingereicht wurde. Nach Darstellung von o9 sollen drei ehemalige Führungskräfte mehr als 22.000 Dokumente aus internen Systemen heruntergeladen und bei ihrem Wechsel zu SAP mitgenommen haben. Die Manager bekleiden dort inzwischen leitende Positionen. Die Unterlagen enthielten Informationen zu Produktdesign, Softwareimplementierung, Vertriebsstrategien sowie zu projektspezifischen Kundenlösungen.

o9 wurde 2009 in Dallas gegründet und ist auf Software für Lieferketten und die Planung geschäftlicher Abläufe spezialisiert. In einer Finanzierungsrunde im Sommer 2023 bewerteten Investoren wie General Atlantic und KKR das Unternehmen mit rund 3,7 Milliarden Dollar. SAP erklärte, die Klage sorgfältig zu prüfen und intern eine umfassende Untersuchung eingeleitet zu haben. Der Konzern betonte, man nehme die Vorwürfe ernst und überprüfe Maßnahmen, die die Einhaltung aller geschäftlichen Standards sicherstellen sollen.

Bereits zwei weitere Verfahren beschäftigen derzeit US-Gerichte. Celonis hatte SAP im März 2025 vor einem Bezirksgericht in San Francisco wegen angeblicher Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht verklagt. Das Unternehmen wirft SAP vor, Drittanbieter im Markt für die Optimierung von Geschäftsprozessen zu verdrängen. Ein weiterer Streit mit dem Datenbankhersteller Teradata läuft seit 2018. Dabei geht es um die Kopplung von Geschäftsanwendungen wie „S/4 Hana“ an die SAP-Datenbank „Hana“. Ein Berufungsgericht hatte eine Fortsetzung des zuvor eingestellten Verfahrens zugelassen, und neue Termine sind für April 2026 angesetzt.

Im aktuellen Fall dreht sich der Konflikt um Software für die Planung von Geschäftsaktivitäten. Nach Angaben von o9 verliert SAP in diesem Bereich Marktanteile. Die ältere SAP-Lösung „Advanced Planning and Optimization“ gilt als veraltet, weshalb Kunden zum Umstieg auf „Integrated Business Planning“ bewegt werden sollen. Nach Darstellung von o9 stößt dieses Vorgehen jedoch auf Widerstand wegen hoher Kosten, betrieblicher Risiken und langer Einführungszeiten. Viele Unternehmen wechselten daher zu alternativen Anbietern.

o9 behauptet, SAP habe eine gezielte Kampagne gestartet, um vertrauliche Informationen zu erhalten. Als Beleg führt das Unternehmen forensische Untersuchungen sowie E-Mail-Austausch zwischen einem der Manager und einem SAP-Vorstandsmitglied an. SAP habe die abgeworbenen Führungskräfte genutzt, um Zugriff auf interne Daten zu erlangen, und verwende diese Informationen, um Kunden – darunter den Konsumgüterkonzern Henkel – abzuwerben. Zudem ahme SAP Funktionen und Begriffe nach, die o9 nutze. Nun muss SAP eine Antwort auf die Klage einreichen. Das Gericht wird anschließend entscheiden, ob die Vorwürfe zugelassen werden.

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