Schutzmaßnahmen für Offshore-Windparks gefordert
Sabotagegefahr und steigende Bedrohungslage stellen Betreiber und Behörden vor Herausforderungen

Betreiber von Offshore-Windparks in Deutschland fordern einen verbesserten Schutz ihrer Anlagen gegen Sabotage und Spionage. Anlass sind jüngste Vorfälle in der Ostsee, bei denen Kommunikationskabel beschädigt wurden, deren Ursache bislang ungeklärt ist. Die schwedische Polizei hat Ermittlungen wegen möglicher Sabotage aufgenommen, und Polens Regierungschef Donald Tusk schlug eine gemeinsame Überwachung der Meere durch die westlichen Anrainerstaaten vor. Der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) begrüßt solche Vorschläge und betont die Notwendigkeit staatlicher Maßnahmen zur Sicherung der Offshore-Infrastruktur.
Laut dem BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm können die Betreiber die Sicherheit nicht eigenständig gewährleisten, da sie weder über bewaffnete Truppen noch entsprechend ausgebildetes Personal verfügen. Zwar seien die Unternehmen bereit, Überwachungsdaten zu teilen, doch die Verantwortung für die aktive Überwachung des Seeraums und die Durchsetzung von Schutzmaßnahmen liege bei staatlichen Behörden. Derzeit ist in Deutschland die Bundespolizei zuständig, und es wird über die Stationierung einer maritimen Spezialeinheit der GSG 9 in Schleswig-Holstein spekuliert.
Rund 1600 Offshore-Windkraftanlagen produzieren aktuell Strom in der Nord- und Ostsee mit einer Gesamtleistung von knapp 8,9 Gigawatt. Bis 2045 soll die Kapazität auf 70 Gigawatt gesteigert werden. Der Anteil der Offshore-Windenergie an der deutschen Stromerzeugung liegt derzeit bei 6,3 Prozent. Die Betreiber setzen bei der Sicherheit auf Maßnahmen wie Zugangskontrollen für autorisiertes Personal und die Überwachung von Seeraum und Anlagen. Dennoch endet ihr Einflussbereich an der Schnittstelle zum Übertragungsnetzbetreiber.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bezeichnet die Bedrohungslage als „abstrakt“, verweist jedoch auf eine Verschärfung der Situation seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Für den Schutz kritischer Infrastrukturen seien primär die Betreiber zuständig, jedoch arbeiteten Bund, Länder und Kommunen eng mit diesen zusammen. Die großen Energieunternehmen wie RWE betonen die Priorität der Sicherheit, ohne nähere Details zu ihren Maßnahmen zu nennen.
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Zur AktienanalyseLaut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gab es im Energiesektor zwischen Juli 2023 und Juni 2024 insgesamt 137 gemeldete Vorfälle, darunter Angriffe mit Schadsoftware, Phishing-Kampagnen und Fehler durch menschliches Versagen. Diese Bedrohungslage zeigt, dass kritische Energieinfrastrukturen zunehmend Angriffen ausgesetzt sind, was eine enge Zusammenarbeit zwischen Betreibern und Behörden erfordert.


