Schweiz weist US-Vorwürfe zu Zwangsarbeit entschieden zurück
Washington droht mit neuen Zöllen von 12,5% – Bern widerspricht den Schlussfolgerungen des US-Handelsbeauftragten USTR.

Die Schweizer Regierung hat am Mittwoch US-Erkenntnisse zurückgewiesen, die dem Land unzureichende Maßnahmen gegen den Handel mit Waren aus Zwangsarbeit vorwerfen. Washington hatte daraufhin mit neuen Zöllen auf Importe aus rund 60 Volkswirtschaften gedroht – darunter auch die Schweiz. Das Schweizer Wirtschaftsministerium betonte, die US-Industrie werde durch die Praktiken der Schweiz nicht geschädigt.
Die Trump-Administration schlägt vor, zusätzliche Zölle von 10% oder 12,5% auf Importe aus den betroffenen Ländern zu erheben. Hintergrund ist eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA vom Februar, die Notfallzölle von Präsident Donald Trump aufgehoben hatte. Der neue Vorschlag zielt darauf ab, diese Zölle auf anderem Wege wiederherzustellen.
Der US-Handelsbeauftragte USTR empfiehlt für die Schweiz einen Zollsatz von 12,5% – und damit einen höheren Satz als für die Europäische Union, die mit 10% belastet werden soll. Als Begründung gilt, dass die Schweiz kein gesetzliches Einfuhrverbot für unter Zwangsarbeit hergestellte Waren erlassen hat.
Schweizer Wirtschaft sieht Belastung als verkraftbar
Rudolf Minsch, Chefökonom des Schweizer Wirtschaftsdachverbands economiesuisse, bezeichnete den Vorwurf der Zwangsarbeit als „völlig unbegründet". Er erklärte jedoch, der Schritt sei erwartet worden, da Washington nach einem Weg suche, die auslaufenden Zölle beizubehalten. Die Differenz zwischen dem Schweizer Satz von 12,5% und dem EU-Satz von 10% sei „verkraftbar" und könne entweder an Kunden weitergegeben oder durch die Nutzung alternativer Handelsrouten eingespart werden.
„Von diesem Standpunkt aus gesehen ist es also nicht entscheidend", sagte Minsch. „Es ist vielleicht einfach nur etwas ärgerlich." Das Wirtschaftsministerium geht davon aus, dass die neuen Abgaben von 12,5% die bisherigen Zölle von 10% ersetzen werden, die am 24. Juli auslaufen.
Weitere Untersuchung zu Industriekapazitäten läuft parallel
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Zur AktienanalyseNeben der Zwangsarbeits-Untersuchung läuft eine weitere Prüfung, in der behauptet wird, dass Länder wie die Schweiz überschüssige Industriekapazitäten zum Nachteil der US-Industrie unterhalten. Auch diese Vorwürfe weist die Schweiz zurück. Das Ministerium erwartet dennoch, dass auch aus dieser Untersuchung zusätzliche Zölle resultieren werden. Die Ergebnisse dieses Teils werden in den kommenden Wochen erwartet.
Zum Hintergrund: Trump hatte die Schweiz im vergangenen Jahr mit zusätzlichen Zöllen von 39% belegt – dem höchsten Satz für ein europäisches Land. Im November schloss die Schweiz ein erstes Abkommen mit den USA, das diese Zölle drastisch senkte. Seither arbeitet Bern an der Formalisierung dieses Deals. Das Wirtschaftsministerium erklärte, es strebe ein langfristiges Abkommen zur Regelung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen an – unabhängig von den rechtlichen und politischen Entwicklungen innerhalb der USA.


