Schwellenländer-Aktien auf Rekordhoch: KI und Ölexporte treiben Rallye
Der MSCI Emerging Markets Index legt 2026 rund 14% zu und übertrifft damit den S&P 500 deutlich.

Schwellenländer-Aktien trotzen geopolitischen Risiken und klettern auf Allzeithochs. Der MSCI Emerging Markets Index hat in diesem Jahr rund 14% zugelegt – und damit den S&P 500 mit seinem Plus von lediglich 5,6% im gleichen Zeitraum klar hinter sich gelassen. Trotz anfänglicher Befürchtungen, dass steigende Energiekosten und Instabilität im Nahen Osten internationale Märkte belasten würden, zeigen sich Schwellenländer überraschend widerstandsfähig.
Zwei Haupttreiber stehen hinter dieser Entwicklung: der globale Boom bei künstlicher Intelligenz sowie die starke Position erdölexportierender Schwellenländer. Beide Faktoren zusammen schaffen eine robuste Grundlage, die selbst geopolitische Schocks abfedern kann.
KI-Infrastruktur beflügelt Asiens Technologiemärkte
Der wichtigste Motor des diesjährigen Aufschwungs ist der massive Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Führende Zulieferer aus Südkorea und Taiwan liefern unverzichtbare Hardware für globale Technologiekonzerne und verzeichnen dadurch sprunghafte Bewertungsanstiege. Der südkoreanische Leitindex Kospi ist im Jahr 2026 um beeindruckende 57% gestiegen, der taiwanische Taiex legte um 34% zu.
Branchengrößen wie Samsung und Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) verbuchten zweistellige Kursgewinne. Samsung sticht dabei besonders hervor: Der Konzern erzielte in diesem Jahr bislang einen Anstieg von 84%. Diese Technologiegewinne helfen Märkten wie Südkorea – das rund 70% seines Rohöls aus dem Nahen Osten bezieht – die Auswirkungen höherer Energiepreise auszugleichen.
Analysten betonen, dass Schwellenländer zwar oft volatil sind, ihre vergleichsweise günstigen Bewertungen und ihr Wachstumspotenzial jedoch weiterhin Anleger anziehen, die nach Alternativen zu US-Titeln suchen. Gerade in einem Umfeld, in dem US-Aktien historisch hoch bewertet sind, gewinnt dieses Argument an Gewicht.
Brasilien profitiert als Ölexporteur
Außerhalb Asiens rücken erdölexportierende Nationen mit geringer Abhängigkeit von Nahost-Lieferungen in den Fokus der Investoren. Brasilien hat sich dabei als herausragender Akteur erwiesen: Der Bovespa-Index legte in diesem Jahr um 16% zu. Nachdem Brasilien 2017 zum Netto-Ölexporteur wurde, soll das Land bis 2030 eine Produktionskapazität von 4,76 Millionen Barrel Rohöl pro Tag erreichen – das schnellste Produktionswachstum auf dem gesamten amerikanischen Kontinent.
Diese Absicherung gegen Energieschocks ermöglichte es dem brasilianischen Rohstoff- und Finanzsektor, über Dividenden erhebliches Kapital an Anleger zurückzugeben. Das Interesse institutioneller Investoren spiegelt sich in konkreten Zahlen wider: Das Volumen des iShares MSCI Brazil ETF hat sich im letzten Jahr auf rund 12 Milliarden US-Dollar fast vervierfacht.
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Zur AktienanalyseBewertungsvorteil gegenüber US-Aktien bleibt bestehen
Trotz der jüngsten Kursrallye bleiben Schwellenländer-Aktien fundamental deutlich günstiger als ihre US-Pendants. Der MSCI EM ETF wird derzeit mit etwa dem 18,4-fachen Gewinn gehandelt, während der S&P 500 mit dem 28,9-fachen bewertet wird. Dieser erhebliche Bewertungsabschlag macht Emerging Markets für wertorientierte Anleger weiterhin attraktiv.
Für deutsche Privatanleger bieten Schwellenländer damit eine interessante Diversifikationsmöglichkeit. Die Kombination aus KI-getriebenen Technologiemärkten in Asien und rohstoffreichen Volkswirtschaften wie Brasilien schafft ein breites Spektrum an Wachstumschancen – bei gleichzeitig deutlich niedrigeren Einstiegsbewertungen als in den USA.


