Schwimmende Solaranlagen in Deutschland bleiben ungenutztes Potenzial
Strenge Gesetze und hohe Kosten bremsen den Ausbau der innovativen Photovoltaik-Technologie

Die Nutzung von schwimmenden Photovoltaikanlagen gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung, obwohl das Potenzial bisher kaum ausgeschöpft ist. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die kürzlich in Betrieb genommene Solaranlage auf dem Ellerdonk-See bei Wesel, die von der Firma Holemans, Betreiber eines dort ansässigen Kieswerks, installiert wurde. Mit einer Fläche von fast vier Fußballfeldern gilt sie als die größte ihrer Art in Nordrhein-Westfalen und soll jährlich etwa fünf Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen, was dem Bedarf von rund 1500 Haushalten entspricht.
Schwimmende Photovoltaikanlagen, auch als Floating-PV-Anlagen bekannt, bieten den Vorteil, dass sie keine Landflächen beanspruchen, die anderweitig, beispielsweise für die Landwirtschaft, genutzt werden könnten. Stattdessen werden die Solarmodule auf Schwimmkörpern befestigt, die auf künstlichen Gewässern wie Kiesgruben oder Stauseen installiert werden. In Deutschland gibt es 6043 solcher künstlichen Seen, die mindestens einen Hektar groß sind und ein erhebliches Potenzial für die Stromerzeugung bieten.
Eine aktuelle Studie von RWE und dem Fraunhofer ISE kommt zu dem Ergebnis, dass derzeit lediglich Anlagen mit einer Gesamtleistung von 21 Megawatt Peak in Deutschland installiert sind. Theoretisch könnte jedoch das Hundertfache dieser Leistung erreicht werden. Das technische Potenzial der schwimmenden Anlagen wird je nach Ausrichtung auf 1,8 bis 2,5 Gigawatt Peak geschätzt, was ausreichen würde, um zwischen einer halben und einer dreiviertel Million Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.
Allerdings gibt es in Deutschland strenge gesetzliche Vorgaben, die den Ausbau schwimmender Photovoltaikanlagen einschränken. So dürfen maximal 15 Prozent der Oberfläche eines Gewässers mit Solaranlagen bedeckt werden, und es muss ein Mindestabstand von 40 Metern zum Ufer eingehalten werden. Diese Regelungen führen dazu, dass bisher vor allem kleinere Projekte umgesetzt wurden, meist von Industrieunternehmen, die ihre Abhängigkeit vom Energiemarkt reduzieren und ihre CO2-Bilanz verbessern möchten.
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Zur AktienanalyseDie Genehmigungsverfahren für solche Anlagen sind komplex und zeitaufwändig, wie das Beispiel der Firma Holemans zeigt, die über vier Jahre mit verschiedenen Behörden an einer Genehmigung arbeiten musste. Zudem erfordert die Installation und Wartung der schwimmenden Anlagen einen erhöhten Aufwand. Dennoch bieten diese Anlagen aufgrund der kühlenden Wirkung des Wassers das Potenzial für einen höheren Stromertrag im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen an Land. Auch auf See wird das Potenzial von Photovoltaikanlagen untersucht, wobei Unternehmen wie Shell und RWE Pilotprojekte in der Nordsee durchführen, um die Eignung der Anlagen unter den dortigen rauen Bedingungen zu testen.


