„Sell in May and Go Away": Warum Anleger diese Regel ignorieren sollten
Die bekannte Börsenweisheit klingt verlockend – doch die Datenlage spricht klar gegen einen saisonalen Ausstieg im Mai.

„Sell in May and go away" gehört zu den bekanntesten Börsenweisheiten überhaupt. Die Theorie dahinter ist simpel: Anleger sollen ihre Aktien im Mai verkaufen und erst im November wieder einsteigen, um die vermeintlich schwachen Sommermonate zu umgehen. Doch wer dieser Regel blind folgt, riskiert, langfristig Rendite zu verschenken.
Tatsächlich gibt es eine historische Grundlage für das saisonale Muster. Mai, Juni, August und September zählen historisch gesehen zu den vier der fünf Monate mit der schlechtesten Börsenperformance. Das klingt zunächst wie ein starkes Argument für die Strategie – doch der entscheidende Teufel steckt im Detail.
Was die Statistik wirklich zeigt
Denn „schlechteste Performance" bedeutet nicht zwingend negative Renditen. In der Regel lassen sich auch in diesen Monaten Gewinne erzielen – sie fallen lediglich im historischen Vergleich zu anderen Monaten geringer aus. Der Unterschied ist fundamental: Wer im Mai verkauft, verpasst möglicherweise reale Kursgewinne, nur um vermeintlich schlechten Zeiten auszuweichen.
Hinzu kommt, dass saisonale Muster an der Börse keine Gesetzmäßigkeiten sind. Die Vergangenheit liefert zwar Hinweise, garantiert aber keine Wiederholung. Märkte reagieren auf wirtschaftliche Daten, geopolitische Ereignisse und Unternehmensgewinne – nicht auf den Kalender. Ein moderates historisches Muster reicht schlicht nicht aus, um daraus eine verlässliche Handelsstrategie abzuleiten.
Buy-and-Hold bleibt die überlegene Strategie
Für langfristig orientierte Privatanleger ist die Botschaft klar: Eine Buy-and-Hold-Strategie wird durch das saisonale Muster nicht infrage gestellt. Wer dauerhaft investiert bleibt, profitiert von Kursgewinnen in starken Monaten und vermeidet gleichzeitig die Risiken des Markt-Timings – also den Versuch, den optimalen Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu treffen.
Markt-Timing ist selbst für professionelle Investoren notorisch schwierig. Wer zweimal im Jahr – im Mai und im November – richtig liegen muss, hat statistisch gesehen schlechte Karten. Schon wenige verpasste starke Handelstage können die Jahresrendite eines Portfolios erheblich schmälern.
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Zur AktienanalyseFazit für deutsche Anleger
Die „Sell in May"-Regel mag als Gesprächsstoff am Stammtisch taugen, als ernsthafte Anlagestrategie überzeugt sie nicht. Das zugrundeliegende saisonale Muster existiert zwar in den historischen Daten, ist aber zu schwach und zu unzuverlässig, um darauf eine Investitionsentscheidung zu stützen.
Für Privatanleger in Deutschland gilt: Langfristiges, diszipliniertes Investieren schlägt kurzfristiges Taktieren in der Regel deutlich. Wer gut diversifiziert und mit einem langen Anlagehorizont investiert, sollte den Kalender getrost ignorieren – und im Mai einfach investiert bleiben.


