Senator Cassidy will US-Rentenreform noch vor Amtsende durchsetzen
Der republikanische Senator Bill Cassidy plant eine weitreichende Reform der Social Security – mit einem 1,5-Billionen-Dollar-Investmentfonds.

Der republikanische Senator Bill Cassidy aus Louisiana hat sich ein ambitioniertes Ziel für seine verbleibende Amtszeit gesetzt: die Reform der amerikanischen Sozialversicherung, bekannt als Social Security. Cassidy, der im Mai die Vorwahlen für seine Wiederwahl verlor, will die Zeit bis zum offiziellen Ende seiner Amtszeit am 3. Januar 2027 nutzen, um das Programm auf eine solide finanzielle Grundlage zu stellen.
Cassidy scheiterte bei den republikanischen Vorwahlen an der Abgeordneten Julia Letlow und dem Staatsfinanzminister John Fleming. Präsident Donald Trump unterstützte dabei Letlow – nicht Cassidy, der zu den sieben republikanischen Senatoren gehörte, die beim Amtsenthebungsverfahren gegen Trump nach dem 6. Januar 2021 für eine Verurteilung stimmten. Trotz dieser politischen Niederlage hat Cassidy geschworen, in seinen letzten Amtstagen so viel wie möglich zu erreichen.
Die Finanzierungskrise der Social Security
Der Handlungsdruck ist real: Laut dem jüngsten Jahresbericht der Treuhänder des Programms, der am 9. Juni veröffentlicht wurde, droht der Social Security ein unmittelbar bevorstehender Finanzierungsengpass. Mehr als 71 Millionen Amerikaner sind auf die monatlichen Alters- und Erwerbsminderungsrenten angewiesen – für sie steht viel auf dem Spiel.
Ohne ein Eingreifen des Kongresses könnte der Treuhandfonds für Alters- und Hinterbliebenenrenten (Old-Age and Survivors Insurance, kurz OASI) bereits im vierten Quartal 2032 erschöpft sein – mehrere Monate früher als noch im Vorjahr prognostiziert. Sollte es bis dahin keine gesetzlichen Änderungen geben, könnten pauschale Leistungskürzungen die Folge sein. Den neuesten Prognosen zufolge wären dann nur noch 78 Prozent der geplanten Leistungen aus diesem Fonds zahlbar.
Eine Möglichkeit, die Finanzierung geringfügig zu verlängern, wäre die Zusammenlegung der Treuhandfonds für Altersrenten und Erwerbsminderung. Die Treuhänder schätzen, dass dies den Zeitpunkt der Erschöpfung in das dritte Quartal 2034 verschieben würde – mit dann noch 83 Prozent der geplanten Leistungen. Dies allein löst das strukturelle Problem jedoch nicht.
Cassidys „Big Idea": Ein Investmentfonds als Ausweg
Der neue Bericht der Treuhänder hat bei den Führungsspitzen von Repräsentantenhaus und Senat beider Parteien die Erkenntnis reifen lassen, dass Handlungsbedarf besteht. Eine Reform der Social Security muss dabei zwingend überparteilich sein, da entsprechende Gesetze im Senat eine Mehrheit von 60 Stimmen erfordern.
Das politische Dilemma ist bekannt: Demokraten schlagen vor, die Steuern für Wohlhabende zu erhöhen, um die Finanzen der Social Security zu stärken und gleichzeitig die Leistungen zu erhöhen. Republikaner lehnen Steuererhöhungen hingegen weitgehend ab, was Leistungskürzungen – etwa die Anhebung des Renteneintrittsalters – als potenzielle Optionen übrig lässt. Genau diesen Konflikt will Cassidy mit seinem Vorschlag umgehen.
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Zur AktienanalyseCassidy hat einen Plan entwickelt, den er selbst als „Big Idea" bezeichnet. Der Vorschlag sieht vor, über einen Zeitraum von fünf Jahren 1,5 Billionen US-Dollar in einen Investmentfonds zu investieren, der von den bestehenden Treuhandfonds der Social Security getrennt geführt wird. Über 65 bis 70 Jahre hinweg würde dieses am Aktienmarkt investierte Geld auf 60 bis 65 Prozent der ungedeckten aufgelaufenen Verbindlichkeiten der Social Security anwachsen, so Cassidy.
Obwohl die 1,5 Billionen Dollar geliehen würden, würde dies laut Cassidy die Staatsverschuldung nicht erhöhen, da das Geld auf einem Treuhandkonto gehalten würde und somit im Besitz der Regierung bliebe. Der Plan orientiert sich dabei an Änderungen staatlicher Rentensysteme, die ähnliche Ansätze verfolgt haben.
Die Social Security gilt in der amerikanischen Politik als das sogenannte „dritte Gleis" – Änderungen am Programm können für die verantwortlichen Politiker schwerwiegende politische Folgen haben. Cassidy, der ohnehin nicht mehr kandidiert, hat in dieser Hinsicht wenig zu verlieren. Gemeinsam mit dem ebenfalls ausscheidenden demokratischen Senator Dick Durbin, dem derzeitigen Minority Whip im Senat, könnte er eine der letzten Chancen nutzen, das Thema überparteilich voranzutreiben.


