Shein schreibt rote Zahlen vor geplantem Börsengang in Hongkong
Handelsspannungen mit USA und EU belasten den Fast-Fashion-Riesen kurz vor dem lang erwarteten IPO massiv.

Der Fast-Fashion-Konzern Shein ist im ersten Quartal 2025 in die Verlustzone gerutscht. Das in China gegründete Unternehmen meldete in einem Dokument vor seinem geplanten Börsengang an der Hongkonger Börse einen quartalsweisen Nettoverlust von 99 Millionen US-Dollar. Hauptursache sind die wachsenden Handelsbarrieren der USA und der Europäischen Union.
Die Zahlen verdeutlichen, wie stark der Druck auf das Unternehmen gestiegen ist. Die Nettogewinnmargen sanken deutlich von 8,7 Prozent im Jahr 2024 auf 4,9 Prozent im Jahr 2025. Der Nettogewinn, der 2024 noch einen Höchststand von 3,4 Milliarden US-Dollar erreicht hatte, fiel 2025 auf 2 Milliarden US-Dollar.
Wegfall der US-Zollbefreiung trifft Shein hart
Ein zentraler Auslöser der Misere ist eine Entscheidung der US-Regierung: Im Mai 2025 strich Washington eine Zollbefreiung für Kleinsendungen, die Shein genutzt hatte, um Kleidung aus seinen Fabriken in Südchina direkt an Kunden in den USA zu versenden. Das Unternehmen reagiert nun mit möglichen Preiserhöhungen. „Als Reaktion auf die gestiegenen Zölle und Steuern prüfen wir eine breite Palette von Optionen, einschließlich Preiserhöhungen auf dem US-Markt, um einen Teil der gestiegenen Kosten auszugleichen", heißt es in dem Börsengangsdokument.
Der US-Markt war einst Sheins wichtigster Wachstumsmotor. Während der Covid-19-Pandemie expandierte das Unternehmen dort rasant, als Verbraucher gezwungen waren, online einzukaufen. Inzwischen ist der Anteil der USA am Gesamtumsatz von Shein jedoch von 30 Prozent im Jahr 2023 auf 22 Prozent im laufenden Jahr gesunken.
Seit 2023 investiert Shein massiv in neue Märkte, da das Wachstum im Heimatland nachlässt und die Handelsspannungen eskalieren. Doch auch in anderen Regionen häufen sich die Probleme. Die EU leitete in diesem Jahr eine Untersuchung zum Verkauf „illegaler Produkte" ein, darunter kindähnliche Sexpuppen. Eine wachsende Zahl europäischer Regierungen fordert zudem verstärkte Maßnahmen, um billige chinesische Importe einzudämmen.
Logistik und Lieferkette unter Druck
Shein ist beim Warenversand aus China stark auf Luftfracht angewiesen. Das Unternehmen erklärte, die Auswirkungen gestiegener Ölpreise durch langfristige Verträge mit Logistikpartnern begrenzt zu haben. Trotz Versuchen, die Lieferantenbasis in anderen Ländern – insbesondere der Türkei – zu diversifizieren, bleibt Shein bei den meisten seiner Produkte stark von chinesischen Herstellern abhängig.
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Zur AktienanalyseDas Unternehmen hatte ursprünglich ein Listing in New York oder London angestrebt, wurde jedoch durch Anforderungen zur Risikooffenlegung bezüglich des mutmaßlichen Einsatzes von Zwangsarbeit in der westchinesischen Region Xinjiang ausgebremst. Shein erklärt öffentlich, „Null Toleranz gegenüber Zwangsarbeit" zu zeigen und von Vertragsherstellern zu verlangen, Baumwolle nur aus zugelassenen Regionen zu beziehen – ohne dabei explizit Xinjiang zu nennen.
Das nun veröffentlichte Dokument – ein sogenanntes „Post-Hearing Information Pack" – gehört zu den ersten öffentlich zugänglichen Informationen über das Unternehmen seit seiner Entscheidung für das Listing in Hongkong. Shein hatte den Börsengangsantrag vertraulich eingereicht. Das Dokument verweist auf potenzielle „negative Publizität in Bezug auf Produktionsmethoden" von Partnern in der Lieferkette, ohne Xinjiang zu erwähnen – ein Balanceakt zwischen westlichen Lieferkettenstandards und Pekings Erwartungen an unternehmerischen Patriotismus.


