Shell-Chef warnt: Energieknappheit könnte bis 2027 andauern
Wael Sawan sieht durch die Blockade der Straße von Hormus anhaltende Engpässe bei Öl und LNG – mit globalen Folgen.

Shell-CEO Wael Sawan warnt vor einer länger anhaltenden Energiekrise. Die durch die Blockade der Straße von Hormus verursachten Engpässe bei Öl und Flüssigerdgas (LNG) könnten über Monate und möglicherweise bis ins nächste Jahr andauern. Das erklärte Sawan in einem Interview mit Bloomberg TV.
„Wir sprechen von etwa 900 Millionen Barrel, die in den letzten Monaten nicht produziert wurden und die im Wesentlichen durch den Abbau von Lagerbeständen ersetzt wurden", sagte Sawan. Die globalen Reserven nähern sich damit kritisch niedrigen Ständen – mit spürbaren Folgen für Verbraucher und Industrie weltweit.
Der Shell-Chef beschrieb die Konsequenzen in deutlichen Worten: „Wir erreichen nun allmählich relativ niedrige Stände. Wir sprechen von Nachfragedrosselungen in bestimmten Bereichen. Wir sprechen von Brennstoffumstellungen." Die Lage betrifft dabei nicht nur den Ölmarkt, sondern auch die globalen LNG-Märkte.
Straße von Hormus: Schlüsselroute der Weltenergieversorgung
Die Straße von Hormus gilt als eine der strategisch wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Etwa 20 Prozent des weltweiten Öls und Erdgases werden durch diesen engen Meereskanal zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel transportiert. Eine Blockade zwingt Länder wie den Irak, Kuwait und Katar dazu, ihre Produktion einzustellen oder drastisch zu drosseln.
Besonders Asien leidet unter den Folgen der Unterbrechung. Kunden aus der Region konkurrieren intensiv um alternative Lieferungen und treiben dabei die Preise in die Höhe. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage werde, so Sawan, „für mindestens die kommenden Monate, wenn nicht sogar für das nächste Jahr oder länger, angespannt bleiben".
Shell übernimmt kanadischen Schieferproduzenten für 13,6 Milliarden Dollar
Inmitten der Energiekrise setzt Shell auf strategische Expansion. Der Konzern hat in dieser Woche der Übernahme des kanadischen Schieferproduzenten ARC Resources Ltd. für 13,6 Milliarden US-Dollar zugestimmt. Es handelt sich dabei um das größte Geschäft des Unternehmens seit über einem Jahrzehnt.
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Zur AktienanalyseDer Kauf soll das Produktionswachstum bis 2030 unterstützen und zur Versorgung der Anlage LNG Canada beitragen, die Erdgas nach Asien exportiert. Damit positioniert sich Shell gezielt als Lieferant für den wachsenden asiatischen Energiebedarf – gerade in Zeiten, in denen alternative Versorgungsquellen dringend gesucht werden.
Sawan betonte, dass Shell die Übernahme von ARC Resources bereits zwei Jahre vor dem Krieg mit dem Iran evaluiert habe. Die Akquisition sei also keine kurzfristige Reaktion auf die aktuelle Krise, sondern Teil einer langfristigen Unternehmensstrategie. Für deutsche und europäische Anleger unterstreicht die Entwicklung die anhaltende Bedeutung fossiler Energieträger und die Preisrisiken, die mit geopolitischen Spannungen im Nahen Osten verbunden sind.


