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Siemens Energy im Visier von US-Kanzleien

Sammelklagen drohen nach Milliardenverlusten bei Tochter Siemens Gamesa

Siemens Energy im Visier von US-Kanzleien

Siemens Energy, ein führendes Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien, steht derzeit im Fokus mehrerer US-Anwaltskanzleien. Diese bereiten Sammelklagen im Namen von Investoren vor, die durch den Konzern geschädigt wurden. Mindestens sechs dieser Kanzleien sind aktiv auf der Suche nach betroffenen Investoren, darunter auch renommierte Namen wie Pomerantz LLP aus New York. Der Hauptvorwurf: Mögliche illegale Geschäftspraktiken und Investorenbetrug durch Siemens Energy und einige seiner Führungskräfte.

Die Kontroverse begann, als Siemens Energy die außenstehenden Anteile seiner verlustreichen Tochter Siemens Gamesa für vier Milliarden Euro übernahm. Kurz nach dieser Übernahme wurden erhebliche Qualitätsprobleme bei Siemens Gamesa bekannt. Das Unternehmen erwartet nun Kosten in Höhe von 1,6 Milliarden Euro und einen Konzernverlust von 4,5 Milliarden Euro für das laufende Jahr. Trotz dieser alarmierenden Zahlen betont Siemens Energy, dass keine rechtlichen Verstöße vorliegen. Dennoch wächst die Besorgnis unter den Aufsichtsräten und Anlegern.

Die Kritik richtet sich insbesondere gegen die Entscheidungen und Äußerungen der Unternehmensführung. Siemens Energy hatte kürzlich bekannt gegeben, dass es aufgrund einer erhöhten Ausfallrate bei Windturbinenkomponenten eine Überprüfung der installierten Flotte von Siemens Gamesa eingeleitet hat. Einige dieser Turbinen zeigten ein abnormales Schwingverhalten, und es gab Probleme beim Hochfahren der Produktion von Offshore-Windrädern. Als Folge dieser Enthüllungen stürzte der Aktienkurs von Siemens Energy um beeindruckende 39 Prozent ab.

In den USA spiegelt sich dieser Kursverfall in den Kursen der American Depositary Receipts (ADR) wider, über die ausländische Aktien in den USA gehandelt werden. Trotz des dramatischen Kursverfalls und der drohenden Sammelklagen hat Siemens Energy bisher keine Klagen erhalten. Das Unternehmen betont, dass es stets im Rahmen seines unternehmerischen Entscheidungsspielraums gehandelt hat und den Kapitalmarkt rechtzeitig informiert hat.

Die Kanzleien, die die Sammelklagen vorbereiten, stützen ihre Argumentation teilweise auf Aussagen des Vorstandsvorsitzenden von Siemens Energy, Christian Bruch. Er hatte im Juni gegenüber Journalisten geäußert, dass "zu viel unter den Teppich gekehrt worden" sei. Das Unternehmen wies diese Interpretation jedoch zurück und erklärte, dass Bruch lediglich seine Unzufriedenheit über eine möglicherweise unzureichende Fehlerkultur zum Ausdruck gebracht habe.

Sammelklagen in den USA sind ein komplexes Verfahren, bei dem im Namen einer geschädigten Person geklagt wird, die stellvertretend für alle anderen steht, die den gleichen Schaden erlitten haben. Der Prozess kann Jahre dauern und endet oft mit einer außergerichtlichen Einigung. Experten schätzen, dass das Risiko für Siemens Energy trotz der drohenden Klagen begrenzt ist. Nur ein kleiner Prozentsatz der US-Investoren könnte tatsächlich klagen, wodurch der potenzielle Schaden auf einen höheren zweistelligen Millionen-Dollar-Betrag begrenzt wäre.

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