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Siemens streicht tausende Stellen in Deutschland und weltweit

Automatisierungstechnik und Ladelösungen besonders betroffen – Betriebsrat übt scharfe Kritik

Siemens streicht tausende Stellen in Deutschland und weltweit

Siemens hat angekündigt, weltweit rund 6.000 Stellen abzubauen. In Deutschland sind davon 2.850 Arbeitsplätze betroffen. Besonders stark betroffen ist der Bereich der Automatisierungstechnik, der zur Sparte Digital Industries (DI) gehört. Von den insgesamt 5.600 wegfallenden Stellen in diesem Bereich entfallen 2.600 auf Deutschland. Laut Unternehmensangaben leidet die Sparte seit einiger Zeit unter hohen Lagerbeständen bei Kunden und Händlern. Trotz dieser Entwicklung geht Siemens für das laufende Jahr von einer Verbesserung der Geschäftslage aus.

Der Stellenabbau in Deutschland soll ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen. Konzernchef Roland Busch hatte bereits im Herbst einen Abbau im vierstelligen Bereich angekündigt. Die Geschäftszahlen des Unternehmens insgesamt sind weiterhin stabil. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erzielte Siemens einen Gewinn von 2,1 Milliarden Euro. Allerdings ging der Umsatz im Automatisierungsgeschäft deutlich zurück. Das Unternehmen begründete die Anpassungen mit veränderten Marktbedingungen, insbesondere mit einer anhaltenden Marktschwäche in Deutschland, die bereits seit zwei Jahren anhält.

Zusätzlich zum Abbau im Automatisierungsgeschäft plant Siemens eine Reduzierung von 450 Stellen im Bereich der Ladelösungen für Elektrofahrzeuge. Bis Ende September sollen diese Arbeitsplätze entfallen, davon 250 in Deutschland. Das Unternehmen begründete diesen Schritt mit starkem Preisdruck sowie begrenztem Wachstumspotenzial für Ladesäulen im unteren Leistungsbereich. Stattdessen will Siemens sich künftig stärker auf Schnellladeinfrastrukturen für Flotten und den öffentlichen Raum konzentrieren. Trotz des Stellenabbaus erklärte der Konzern, dass die Gesamtzahl der Beschäftigten in Deutschland in etwa konstant bleiben werde, da in anderen wachsenden Bereichen neue Mitarbeiter eingestellt würden.

Unklar bleibt bislang, in welchen Regionen Deutschlands die Stellen gestrichen werden. Es wird jedoch angenommen, dass Bayern besonders betroffen sein dürfte, da sich dort die meisten Werke der Sparte Digital Industries befinden. Siemens betonte in seiner Mitteilung das klare Bekenntnis zum Industriestandort Deutschland. Nach Unternehmensangaben beschäftigt Siemens derzeit rund 86.000 Menschen in Deutschland. Den betroffenen Mitarbeitern sollen nach Möglichkeit Umschulungen und Weiterbildungen angeboten werden. Zudem spielt die interne Jobvermittlung eine wichtige Rolle, da es aktuell etwa 2.000 offene Stellen im Unternehmen gibt.

Der geplante Stellenabbau stieß auf Kritik seitens der Arbeitnehmervertreter. Birgit Steinborn, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, zeigte sich überrascht und verärgert über die geplanten Maßnahmen. Sie betonte, dass das von Siemens angekündigte Wachstumsprogramm "One Tech Company" nicht zu einem Stellenabbau führen dürfe, sondern vielmehr nachhaltige Arbeitsplätze schaffen müsse. Auch Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall und Mitglied des Siemens-Aufsichtsrats, äußerte Kritik. Er stellte infrage, wie das Unternehmen eine grundlegende Neuausrichtung mit einem so umfangreichen Stellenabbau erreichen wolle. Laut Kerner seien betriebsbedingte Kündigungen durch die bestehende Standort- und Beschäftigungssicherung zwar ausgeschlossen, dennoch stelle sich die Frage nach der langfristigen Strategie des Konzerns.

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