Sir Ben Ainslie: Segeln erobert die kommerzielle Primetime
Olympia-Legende Sir Ben Ainslie erklärt, wie SailGP und America's Cup den Segelsport für Investoren und Millionenpublikum transformieren.

Sir Ben Ainslie, der erfolgreichste olympische Segler der Welt, steht seit 40 Jahren im Wettkampfsport. Als Gründer und CEO der Athena Sports Group – zu der das Emirates Great Britain SailGP-Team und das britische America's Cup-Team GB1 gehören – treibt er den kommerziellen Wandel des Segelsports aktiv voran. Im Interview mit der Financial Times beschreibt er eine Branche im Umbruch.
„Es ist, als ob Segeln zur Hauptsendezeit käme", sagt Ainslie. Das Wachstum sei primär durch die SailGP und den America's Cup getrieben worden – und die Zeit sei sowohl sportlich als auch kommerziell so spannend wie nie zuvor.
SailGP: 215 Millionen TV-Zuschauer in einer Saison
Die SailGP, 2019 vom Oracle-Milliardär Larry Ellison und Segel-Champion Sir Russell Coutts gegründet, ist erst sechs Jahre alt – hat aber bereits beeindruckende Zahlen vorzuweisen. In der letzten Saison verfolgten fast 215 Millionen engagierte TV-Zuschauer die Rennen, was Ainslie als „bahnbrechend für den Segelsport" bezeichnet. 13 Teams kämpfen um ein Gesamtpreisgeld von 12,8 Millionen US-Dollar.
Das Konzept der Liga basiert auf dem US-Sport-Franchise-Modell: kein Abstieg, Einstieg über Franchise-Kauf, niedrige Kosten bei maximalem Unterhaltungswert. Die Boote – Foiling-Katamarane, die sich mit Tragflächen über das Wasser heben – erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h, oft nur 50 Meter vom Ufer entfernt. „Das raubt den Leuten buchstäblich den Atem. Es raubt mir den Atem, und ich habe schon viele Rennen gesehen", so Ainslie.
Für kommerzielle Partner ist die Struktur besonders attraktiv: Derzeit gibt es 13 Events, mit dem Ziel, auf 20 zu wachsen – mindestens ein Rennen pro Monat. Diese Kontinuität ermöglicht es Rundfunk- und Werbepartnern, verlässlich zu planen. Ainslie hebt auch das Hospitality-Angebot hervor: „Das gehört zum Besten, was es gibt."
Prominente Investoren als Reichweiten-Booster
Ein weiterer Wachstumstreiber sind prominente Investoren in den Teams. Ryan Reynolds und Hugh Jackman engagieren sich beim australischen Team – mit messbarem Effekt: „Ihre Social-Media-Followerzahlen sind durch die Decke gegangen." Kylian Mbappé ist beim französischen Team an Bord. Ainslie sieht darin ein bewährtes Muster, das ein völlig neues, nicht-segelndes Publikum erschließt.
Als weiteres Vorbild nennt er die Netflix-Serie „Formula 1: Drive to Survive", die der Formel 1 einen massiven Zuschauerschub beschert hat. Die SailGP prüfe, wie sie etwas Ähnliches umsetzen könne, so Ainslie.
America's Cup: Neue Governance für mehr Investoren
Parallel zur SailGP hat Ainslie maßgeblich daran mitgewirkt, die Governance-Struktur des 175 Jahre alten America's Cup zu reformieren. Im Vorfeld des 38. America's Cup im nächsten Jahr in Neapel wurden grundlegende Änderungen beschlossen – gemeinsam mit Grant Dalton von Team New Zealand.
Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:
Zweijährlicher Rhythmus
: Der Wettbewerb findet künftig alle zwei Jahre statt, mit einer Rennserie zwischen den Hauptevents
Budgetobergrenze
: Neu eingeführt bei 75 Millionen Euro – zuvor lagen die Kampagnenbudgets zwischen 50 und 200 Millionen US-Dollar
Leichteres Boot
: Reduzierte Besatzungsgröße, keine „Cyclors" mehr (Segler, die Bordsysteme per Pedalantrieb versorgen)
Breitere Stakeholder-Einbindung
: Alle potenziellen Teams wurden in den Reformprozess einbezogen
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Zur Aktienanalyse„Die SailGP hat der Segelwelt gezeigt, was möglich ist, wenn man sich organisiert, und der America's Cup wäre, ehrlich gesagt, abgehängt worden", erklärt Ainslie. Die Budgetobergrenze sei dabei fundamental: Es sei „viel realistischer", 75 Millionen Euro kommerziell aufzubringen als bis zu 200 Millionen US-Dollar. Viele Teams verzeichneten bereits signifikantes Wachstum bei ihren kommerziellen Partnerschaften.
Den Medienwert des britischen Teams beim letzten America's Cup beziffert Ainslie auf 900 Millionen US-Dollar – eine Schätzung dessen, was die erzielte Medienpräsenz als Werbekauf gekostet hätte.
Rechtstreit mit Ineos und neuer Investor Oakley Capital
Nicht alles läuft reibungslos: Die Partnerschaft des britischen Teams mit dem Chemiekonzern Ineos zerbrach im vergangenen Jahr. Ineos geht gerichtlich gegen Athena Racing vor, um zu klären, wer Eigentümer des für den America's Cup 2024 gebauten Bootes ist. Ainslie positioniert sich klar: „Die Vermögenswerte gehören aus unserer Sicht Athena."
Im Dezember gewann das Team mit Oakley Capital einen neuen Investor. Der Private-Equity-Investor ist unter anderem an North Sails beteiligt, einem der größten Segelhersteller weltweit. Für Ainslie ist das Engagement ein wichtiges Signal: „Es zeigt, dass wir Private Equity anziehen können." Den Investitionshorizont schätzt er auf länger als die üblichen drei bis sechs Jahre, da die Partnerschaft gerade erst gestartet sei.
Neapel als Austragungsort des nächsten America's Cup stimmt Ainslie optimistisch: „Die Italiener segeln so leidenschaftlich. Die kommerziellen Einnahmen werden ihn zu einer der, wenn nicht sogar zur umsatzstärksten Veranstaltung machen."


