Solarförderung vor dem Aus: Streit um Einspeisevergütung für Hausdachanlagen
Bundeswirtschaftsministerin Reiche plant, die Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen ab 2027 zu streichen – Experten sind gespalten.

Die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sorgen in der Solarbranche für Aufruhr. Seit bekannt wurde, dass die staatliche Einspeisevergütung für neue kleine Photovoltaikanlagen ab 2027 wegfallen soll, boomt das Interesse an Dachanlagen spürbar. Henning Lorang, der in der Nähe von Trier Solaranlagen und Batteriespeicher installiert, berichtet: Sein Telefon stehe kaum noch still, weil viele Hausbesitzer noch schnell von der bestehenden Förderung profitieren wollen.
Einer davon ist Thomas Fickert, ein Rentner aus der Trierer Region. Auf seinem Hausdach wird gerade eine Anlage mit elf Kilowatt Leistung montiert – inklusive Batteriespeicher im Keller für insgesamt 18.000 Euro. Fickert rechnet damit, dass sich die Investition in spätestens zwölf Jahren amortisiert. Rund die Hälfte des erzeugten Stroms verbraucht er selbst, den Rest speist er ins Netz ein und erzielt damit jährliche Einnahmen von mehreren hundert Euro. Ohne die Förderung hätte er nach eigenen Angaben eine deutlich kleinere Anlage gewählt.
Das Argument der Ministerin: Solarenergie trägt sich selbst
Das Bundeswirtschaftsministerium begründet die geplante Streichung damit, dass Photovoltaikanlagen in den vergangenen Jahren erheblich günstiger geworden seien und sich auch ohne staatliche Unterstützung für Privatverbraucher rechneten. Ralph Henger, Immobilienökonom vom Institut der deutschen Wirtschaft, bestätigt diese Einschätzung grundsätzlich. PV sei inzwischen marktfähig, der Ausbau bei Ein- und Zweifamilienhäusern komme gut voran – vor allem dann, wenn Eigentümer gleichzeitig Wärmepumpen betreiben oder Elektroautos laden.
Henger kritisiert jedoch die bestehende Schieflage: Während Einfamilienhausbesitzer von der Einspeisevergütung profitieren, stockt der Solarausbau bei Mehrfamilienhäusern und größeren Wohngebäuden. Mieterstrommodelle, die dort möglich wären, kämen kaum zum Einsatz. Die Energiewende sei damit nicht gerecht verteilt.
Kritiker warnen vor Bremswirkung für die Energiewende
Volker Quaschning, Professor für regenerative Energien an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, sieht die geplanten Maßnahmen hingegen kritisch. Für Bürger werde es komplizierter und unattraktiver, kleine Solaranlagen zu bauen und zu finanzieren. Um die Klimaziele zu erreichen, müsse Deutschland schnellstmöglich von fossilen Energieträgern unabhängig werden. Quaschning fordert mehr Tempo beim Ausbau von Solar- und Windenergie und ein klares Bekenntnis zur Energiewende: „Die Bundesregierung eiert ja eher rum und sagt, ein bisschen langsamer wäre auch ganz schön. Und das sind einfach die falschen Vorzeichen in der jetzigen Zeit."
Ein weiteres Problem ist der Überschussstrom an sonnigen Tagen. Wenn viele Anlagen gleichzeitig Strom produzieren, entsteht ein Netzüberschuss, der kaum gespeichert werden kann. Teilweise zahlen Energieversorger sogar dafür, dass andere Länder oder Kunden ihnen den überschüssigen Strom abnehmen. Schätzungen zufolge kostet das den Steuerzahler mehrere Milliarden Euro jährlich – finanziert aus dem Bundeshaushalt.
Smart Meter als Voraussetzung – doch der Ausbau hinkt hinterher
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Zur AktienanalyseDer Gesetzesentwurf sieht künftig weniger Subventionen, mehr Eigenverbrauch und stärkere Direktvermarktung vor. Betreiber kleiner PV-Anlagen sollen überschüssigen Strom selbst über Direktvermarkter an der Strombörse verkaufen. Dafür ist ein intelligenter Stromzähler – ein sogenannter Smart Meter – notwendig, der den Verbrauch minutengenau erfasst und Nutzern per App den aktuellen Börsenstrompreis anzeigt.
Das Problem: Deutschland hinkt beim Smart-Meter-Ausbau wegen hoher IT-Anforderungen deutlich hinterher. Ökonom Henger stellt fest, dass „für viele Eigentümer der Wechsel in die Direktvermarktung derzeit praktisch kaum möglich" sei, weil die technischen Voraussetzungen in vielen Gebäuden noch fehlen. Statt den Solarausbau bei Einfamilienhäusern weiter zu subventionieren, plädiert er für mehr Investitionen in Netzausbau und Digitalisierung.
Für Bestandsanlagen wie die von Thomas Fickert ändert sich vorerst nichts – bestehende Anlagen sind von den geplanten Kürzungen ausgenommen. Anlagenbauer Lorang hingegen befürchtet für seine Branche einen dramatischen Markteinbruch: Ohne Einspeisevergütung würden künftig deutlich weniger Kunden in größere Dachanlagen investieren.


