Solarkrise: Europäische Hersteller unter Druck
Chinesische Konkurrenz und volle Lager belasten die Solarbranche in Europa

Die Solarkrise breitet sich weiter aus, da immer mehr Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. Unter ihnen sind auch solche, die sich in der aktuellen Marktsituation verzockt haben. Der Wettbewerb in der Branche wird zunehmend härter. Ein Beispiel ist SMA Solar, ein Unternehmen nahe Kassel, das versucht, seine Kunden mit finanziellen Anreizen zu gewinnen. Beim Kauf eines Wechselrichters erstattet das Unternehmen bis zu 400 Euro. Andere Hersteller setzen auf ähnliche Aktionen, um ihre Produkte attraktiver zu machen.
Trotz des Booms in der Nachfrage nach Solaranlagen stapeln sich wichtige Spezialgeräte in den Lagern von Händlern und Herstellern. Dieses Problem wächst für die Produzenten. SMA Solar, Europas Marktführer, musste kürzlich eine Gewinnwarnung ausgeben, woraufhin der Aktienkurs um mehr als 30 Prozent fiel. Die Unsicherheit nach der Europawahl und eine schwächere Nachfrage wurden als Gründe genannt, doch Brancheninsider vermuten, dass die Konkurrenz aus China der wahre Grund ist. Der Rückgang der Nachfrage wird eher als langsameres Wachstum gesehen.
Auch Händler, Installateure und andere Hersteller bestätigen diese Ansicht. Der Bundesverband der deutschen Solarwirtschaft rechnet für dieses Jahr sogar mit einem zweistelligen Plus. Trotzdem stehen die Solarkonzerne vor einem ruinösen Preiskampf. Die Lager leeren sich langsamer als erwartet, was laut Harald Scherleitner, dem Chef der Solareinheit des österreichischen Wechselrichter-Spezialisten Fronius, auf die „Dumpingpreise“ chinesischer Hersteller zurückzuführen ist. Diese hätten den Markt mit Produkten unter Herstellungskosten überschwemmt.
Die Krise erfasst nun auch die Hersteller von Wechselrichtern. Bereits vor Monaten warnte die Solarindustrie vor den Auswirkungen der zunehmenden Zahl von Billigmodulen aus China. Innerhalb eines Jahres sind die Preise um knapp 56 Prozent gefallen. Dies zwang viele europäische Hersteller, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern oder Insolvenz anzumelden. Ein Beispiel ist Solarwatt aus Dresden, das seine eigene Modulproduktion einstellte. Nun sind auch die Preise für Wechselrichter um 30 Prozent gefallen.
Die Konkurrenz aus China bietet vergleichbare Geräte 30 bis 40 Prozent günstiger an. Solarnative, ein Entwickler des weltweit kleinsten Wechselrichters aus Frankfurt, meldete kürzlich Insolvenz an, da die Finanzierung fehlte. Branchenkreise sprechen von der Übermacht chinesischer Konkurrenten. Frank Jessel von Baywa-Re erklärt, dass es kein Nachfrageproblem, sondern ein Lagerbestandsproblem gebe. Die Lager seien voll, besonders bei Solaranlagen für Eigenheime, wo europäische Hersteller stark vertreten sind.
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Zur AktienanalyseDie Nachfrage nach alternativen Energieformen stieg mit dem Ukrainekrieg und der Energiekrise Anfang 2022 extrem an. Im letzten Jahr wurden in Deutschland mehr als eine Million neuer Solaranlagen installiert. Aufgrund von Lieferkettenproblemen konnten Hersteller die Nachfrage nicht sofort bedienen. SMA und Fronius investierten daher massiv in die Erweiterung ihrer Produktion.
Chinesische Anbieter dominieren mittlerweile den Markt, während europäische Hersteller Schwierigkeiten haben, mithalten zu können. SMA Solar hat nur noch einen Marktanteil von drei Prozent weltweit. Der Aktienkurs des Unternehmens ist in den letzten zwölf Monaten um 75 Prozent gefallen. Brancheninsider befürchten, dass der Preiskampf gerade erst beginnt. Europäische Produzenten orientieren sich verstärkt am US-Markt, wo sie großes Potenzial sehen, insbesondere wegen restriktiver Einfuhrbestimmungen für chinesische Produkte.


