S&P 500 Finanzwerte: Private Credit Sorgen schaffen attraktive Bewertungen
Große US-Banken legen bald Quartalszahlen vor – trotz Sektorschwäche zeigen Fundamentaldaten ein konstruktives Bild.

Der S&P 500 Financials-Sektor gehört in diesem Jahr zu den schwächsten Bereichen des US-Aktienmarkts. Bis zum 10. April verlor er 7,3 Prozent, während der Gesamtmarkt im gleichen Zeitraum weitgehend stagnierte. In der kommenden Woche legen nun die großen US-Geschäftsbanken ihre Ergebnisse für das erste Quartal vor – ein wichtiger Stimmungstest für den gebeutelten Sektor.
Als einer der Haupttreiber der Schwäche gilt der aufziehende Sturm im Bereich Private Credit. Die Sorgen um das sogenannte Schattenbankensystem haben das Anlegervertrauen erschüttert und alles von Vermögensverwaltern bis hin zu Konsumkreditgebern unter Druck gesetzt. Doch der breite Aktienmarkt preist kein systemisches Finanzproblem ein – ein wichtiger Unterschied.
Starke Spreads innerhalb des Sektors
Innerhalb des Finanzsektors zeigen sich erhebliche Unterschiede: Regionalbanken legten seit Jahresbeginn sogar um 2,6 Prozent zu, während der Bereich Consumer Finance um 17,2 Prozent einbrach. Diversifizierte Banken liegen lediglich 2,6 Prozent im Minus. Dieser breite Spread innerhalb eines einzelnen Sektors verdeutlicht, dass die Marktteilnehmer sehr wohl zwischen verschiedenen Geschäftsmodellen differenzieren.
Zudem hat der Sektor an der seit dem 31. März laufenden Börsenrallye teilgenommen und befindet sich weiterhin in einem soliden Aufwärtstrend. Die wöchentlichen Bankkreditdaten der US-Notenbank Fed zeigen keinerlei Anzeichen für eine Kreditklemme – im Gegenteil: Die Geschäftsbanken weiten ihre Kreditvergabe tatsächlich aus, während die Risse im Schattenbankensystem sichtbar werden.
Die Risikovorsorge der Banken für Kreditverluste bleibt laut den wöchentlichen Fed-Daten relativ niedrig. Das ist ein beruhigendes Signal, auch wenn Anleger weitere Risikofaktoren im Blick behalten müssen: dazu zählen die von Washington vorgeschlagene Deckelung der Kreditkartenzinsen, steigende Zahlungsausfälle bei Verbrauchern – verschärft durch höhere Energiepreise – sowie die Möglichkeit, dass die Fed die Zinsen anheben muss, sollte sich die Inflation erneut als hartnäckig erweisen.
Rekordhohe Gewinnerwartungen und günstige Bewertung
Die Forward Earnings – also die erwarteten Gewinne auf Basis der wöchentlichen Konsensschätzungen der Analysten – sind weiter auf Rekordhöhen gestiegen. Angeführt wird diese Entwicklung von den S&P 500 Diversified Banks, deren erwartete Gewinnmarge aktuell bei 26,9 Prozent liegt. Der gesamte S&P 500 Financials-Sektor weist eine erwartete Gewinnmarge von 21,5 Prozent auf – der zweithöchste Wert im gesamten S&P 500.
Der Analystenkonsens erwartet für das erste Quartal einen Gewinnanstieg im Jahresvergleich von 17,8 Prozent – das ist der zweithöchste Wert unter den elf S&P-500-Sektoren, nur übertroffen vom Informationstechnologie-Sektor. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (Forward P/E) des S&P 500 Financials liegt derzeit bei 14,6 – ein vergleichsweise attraktives Bewertungsmultipel, sofern die Wirtschaft weiter wächst. Der Sektor wird mit einem Abschlag von 27 Prozent gegenüber dem Gesamtmarkt gehandelt, was die Hürde für eine Aufwärtsbewertung niedrig hält.
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Zur AktienanalysePrivate Credit: Lokales Problem, keine Systemkrise
Der Stress im Bereich Private Credit ist real – aber lokal begrenzt. Er konzentriert sich auf Direct-Lending-Vehikel mit strukturellen Problemen wie Liquiditätsengpässen und Mark-to-Model-Bewertungen. Die reflexartige Abwertung des gesamten Finanzsektors ist jedoch nicht gerechtfertigt.
Denn dabei werden fälschlicherweise die Probleme im Schattenbankensystem mit der Gesundheit regulierter Banken, Versicherer und diversifizierter Kreditgeber vermischt. Keines dieser Institute ist ernsthaft dem Stress im Private-Credit-Sektor ausgesetzt. Für Anleger, die zwischen den Segmenten differenzieren, ergibt sich damit ein konstruktives Setup – gerade mit Blick auf die anstehende Berichtssaison.


